Von Karl Friedrich Rudolf, dem Lei- ter des Österreichischen Histo- rischen Instituts in Madrid.
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Die zukünftige Prinzessin von Asturien befindet sich, wirft man einen Blick auf die Geschichte, in illustrer Gesellschaft. Sicherlich ist keine bürgerliche Braut darunter und keine, die der Bevölkerung schon vor der Hochzeit so vertraut war wie die Journalistin Letizia Ortiz Rocasolano. Die Zeiten der strengen spanischen Etikette sind vorbei, das steife Hofzeremoniell vergangener Jahrhunderte wird nicht mehr den Alltag von Dona Letizia bestimmen.

Die Braut aus Asturien

Dass die Braut aus Asturien kommt, gibt der Verehelichung eine besondere Note, denn ihr Bräutigam ist Inhaber des Titels "Prinz von Asturien", den die kastilischen Thronfolger seit dem 14. Jahrhundert führen. Das im Norden der iberischen Halbinsel liegende Asturien ist sozusagen die Wiege des mittelalterlichen Königreichs Kastilien, wo im 8. Jahrhundert die christliche Wiedereroberung begonnen hatte.

Kronprinz ist älter als damals König Heinrich III. von Kastilien

Mit dem Titel, den Don Felipe 1977 als Neunjähriger erhielt, verbinden sich heute natürlich keine Herrschaftsrechte mehr. Als Bräutigam ist der Kronprinz mit seinen 36 Jahren um einiges älter als damals der spätere König Heinrich III. von Kastilien, dem 1388 der Prinzentitel als Zehnjähriger von seinem Vater Johann I. gegeben wurde und auch gleich eine Frau dazu, nämlich Katharina, die Tochter des Herzogs von Lancaster, des Bruders des englischen Königs.

Es machte nicht viel aus, dass der Bräutigam zehn Jahre alt war und die Braut vier Jahre älter. Die Hochzeit sollte das Ende des Streites um den kastilischen Thron besiegeln.

Spanisch-habsburgische Doppelheirat

Die Vermählung eines anderen Prinzen von Asturien sollte dann zu Ende des Mittelalters die Zukunft des neuzeitlichen spanischen Imperiums bestimmen: Im Zuge der spanisch-habsburgischen Doppelheirat 1495/96 wurde Juan, einziger Sohn des Königspaars Isabella und Ferdinand, mit der österreichischen Erzherzogin Margarethe verheiratet, starb aber nach wenigen Wochen. Sein früher Tod ist einer der Gründe, dass schließlich der Habsburger Karl V., der Sohn Königin Johannas und Philipps des Schönen, zum Erben der spanischen Königreiche wurde.

Mutter von Don Carlos

Sein Nachfolger, Philipp II., heiratete als 17-jähriger Prinz von Asturien die portugiesische Prinzessin Maria. Um sie zu sehen, näherte er sich ihr 1543 als Jäger verkleidet ungeduldig von Salamanca aus, wo auch geheiratet wurde. Zwei Jahre später starb Prinzessin Maria, Mutter des durch Verdi und Schiller verewigten Don Carlos, der 1560 als 15-Jähriger in Toledo als Prinz von Asturien seinen Eid leistete.

Hochzeit mit der 40-jährigen Maria Tudor

In zweiter Ehe heiratete Philipp 1554 in Winchester die nahezu 40-jährige Königin Englands, Maria Tudor, Tochter Heinrichs VIII., die Papst und Kaiser dem 27-jährigen Witwer aus religiösen und politischen Erwägungen zugedacht hatten. Sie starb 1558, ohne Spanien gesehen zu haben.

Frau Philipps III kam aus der Steiermark - Heirat mit Zuneigung

Erst 20 Jahre später gebar die vierte Frau Philipps II., die österreichische Erzherzogin Anna, nach drei im Kindesalter verstorbenen Prinzen den ersehnten Thronfolger, den späteren Philipp III. Dessen Braut kam aus der Steiermark, aus Graz, die, wie ein Chronist des 18. Jahrhunderts schreibt, "hübsche Margarethe, die der Himmel Spanien bestimmt hatte". Es muss das erste Mal so etwas wie Zuneigung bei der Brautwahl mit dabei gewesen sein, wählte er sie doch spontan aus drei Porträts aus, die ihm 1596 gezeigt wurden, wie Paris vor die Wahl gestellt.

Später Ehevollzug

Der Sohn der 1599 in Valencia Verehelichten, der 1605 geborene zukünftige Philipp IV., wurde 1612 mit der um zwei Jahre älteren französischen Prinzessin Elisabeth von Bourbon verlobt. Vollzogen wurde die Ehe 1620 im Pradopalast in Madrid, geschlossen wurde sie fünf Jahre vorher mittels Stellvertreter in Bordeaux und Burgos.

Mit Philipp IV. endete die Geschichte der Hochzeiten der Prinzen von Asturien zur Zeit der spanischen Habsburger - mit dem Zentralismus der Bourbonen, der neuen Dynastie, erhielt dieser Prinzentitel eine neue, gesamtspanische Komponente.

Kinderheirat

Noch während des spanischen Erbfolgekrieges wurde Luis, der Erstgeborene von Philipp V., 1709 als Zweijähriger zum Prinzen von Asturien ernannt und 1721 im Zuge einer spanisch-französischen Doppelheirat mit der französischen Prinzessin Luisa Isabel von Orléans vermählt. Als die zukünftige Königin 1722 in Madrid eintraf, brachte sie, kindlich und lebendig, wie sie mit ihren 14 Jahren noch war, die Hofetikette so durcheinander, dass man sie eine Zeit lang in der Madrider Burg unter Verschluss hielt.

Prinz und Prinzessin von Asturien war ein kurzes Eheleben beschieden, denn Luis, dem sein amtsmüder, nicht einmal 40-jähriger Vater 1724 die spanische Krone übergab, starb, kaum dass er zu regieren begonnen hatte. Der Titel "Prinz von Asturias" wurde an den zwölfjährigen Infanten Ferdinand weitergegeben, der jedoch nicht die junge Witwe zur Frau nahm, sie kehrte nach Frankreich zurück.

Der spätere Ferdinand VI. heiratete in Badajoz 1729 die portugiesische Prinzessin Maria Barbara. Mit 18 Jahren war sie um zwei Jahre älter als ihr Bräutigam. Die nächsten beiden Prinzen von Asturien erhielten ihre Ehepartner aus den spanisch-bourbonischen Familien, die in Parma und Neapel regierten.

Heirat im Exil

Da auf König Ferdinand VII. 1833 seine Tochter Isabella II. folgte, die ihren Cousin Francisco de Asís heiratete und deren Sohn Alfons XII. 1874 König wurde und sich dann erst verehelichte, liegt die letzte Hochzeit eines Prinzen von Asturien in Spanien selbst 200 Jahre zurück. Denn der heutige König Juan Carlos wie auch sein Vater haben außerhalb des Landes geheiratet, dieser im Exil in Rom zur Zeit der 2. Republik, jener in Athen, in der Heimat der Königin Sofia, zur Zeit General Francos.

Und nahezu 100 Jahre ist es her, dass so eine Hochzeit in Madrid stattfand: 1906, als König Alfons XIII. mit Viktoria von Battenberg getraut wurde, allerdings nicht in der Kathedrale, von der stand damals noch nicht viel. (Karl Friedrich Rudolf, DER STANDARD Printausgabe 22.5.2004)