Washington - US-Militärpolizisten haben irakische Häftlinge im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad einem Pressebericht zufolge misshandelt, um sie für Verbrechen zu bestrafen und sich über sie lustig zu machen - und nicht, um sie auf Verhöre vorzubereiten.

Mitarbeiter der US-Militärpolizei hätten Bilder von Misshandlungen gemacht, mit denen sie irakische Gefangene für Krawalle und die angebliche Vergewaltigung eines Jugendlichen in der Haftanstalt bestraft hätten, berichtete die US-Tageszeitung "Washington Post" am Samstag unter Berufung auf bisher unveröffentlichte Aufzeichnungen. Dies gelte unter anderem für das weltweit bekannt gewordene Foto, auf dem nackte Gefangene zu einer Pyramide gestapelt zu sehen sind.

Die zitierten Dokumente enthielten laut "Washington Post" Aussagen von vier der sieben Militärpolizisten, die sich wegen des Folterskandals vor Gericht verantworten müssen. Einer der Polizisten gab demnach an, Geheimdienstagenten hätten häufig in der Nacht einen bestimmten Gefängnisblock in Abu Ghraib besucht und die dort Inhaftierten zur Befragung in eine "Holzhütte" hinter dem Gebäude gebracht.

Der Skandal sei aufgedeckt worden, als ein Mitarbeiter im November nach Abu Ghraib zurückgekehrt sei und von einer Schießerei in dem berüchtigten Block gehört habe, berichtete die Zeitung. Joseph Darby habe den für die fragliche Nachtschicht zuständigen Militärpolizisten gefragt, ob er Fotos von der betroffenen Zelle habe, und dieser habe ihm zwei CDs mit Bildern von misshandelten Gefangenen ausgehändigt. (APA)