STANDARD: 2002 und 2003 waren für die Papierindustrie harte Jahre. Die Nachfrage ist aufgrund des gesunkenen Anzeigenvolumens stark zurückgegangen, der Umfang von Zeitungen und Magazinen ist geschrumpft. Wie bewerten Sie derzeit die Lage am Markt?

Simon: Schlechter als 2003. Speziell bei Publikationspapieren hält der Preisdruck an. Durch unsere Möglichkeiten im Konzern, Produktionen in verschiedenen Länder abzutauschen, können wir derzeit unsere Zeitungs- und Magazindruckmaschinen zwar auslasten. Andererseits haben wir zu dem bereits sehr schlechten Jahr 2003 nochmals Preisrückgänge von fünf Prozent zu verkraften. Wir haben jetzt Preise wie in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre.

STANDARD: Der Konjunkturaufschwung lässt Sie im Stich?

Simon: Wir haben bereits Mitte vorigen Jahres mit einer Besserung der Nachfrage gerechnet - was leider nicht eingetreten ist. Wir gehen nun davon aus, dass der Aufschwung erst Anfang kommenden Jahres einsetzen wird.

STANDARD: Wenn Ihre Maschinen in Bruck dennoch ausgelastet sind, heißt das, dass Sie in anderen Werken Stillstände haben?

Simon: So ist es. Wir haben beispielsweise in Norwegen Maschinen stillstehen. Dort sind die Produktionskosten stark gestiegen, weil der Strompreis aufgrund der geringen Niederschläge im Vorjahr in die Höhe geschnellt ist.

STANDARD: Zählt Bruck zu den besten Werken der Gruppe?

Simon: Wir haben zweifelsohne einen guten Stellenwert im Konzern.

STANDARD: Wie hoch schätzen Sie die Überkapazitäten in Europa derzeit ein?

Simon: Die sind beträchtlich. Wir hatten im Vorjahr 39 Tage marktbedingter Stillstände in Bruck und haben so Kapazitäten aus dem Markt genommen. Heuer ist die PM 4, die Papiermaschine für Magazindruck, umbaubedingt 26 Tage gestanden. Der Zeitungsdruck ist durchgelaufen.

STANDARD: Weitere Stillstände sind heuer nicht geplant?

Simon: Wir haben in den Vorschauen Stillstände kalkuliert - aufgrund der Marktentwicklung und der Umschichtungen, die wir vorgenommen haben, sind wir aber zuversichtlich, mit der Produktion durchfahren zu können.

STANDARD: Sie haben erst kürzlich 35 Millionen Euro in die Qualitätsverbesserung der PM 4 gesteckt. Kann man das als Bekenntnis zum Standort Bruck werten?

Simon: Man kann es so interpretieren. Das ist heuer die größte Einzelinvestition im Konzern und damit auch Ausdruck einer gewissen Wertschätzung, die man für den Standort Bruck hat. Wenn die Leute hier etwas in die Hand nehmen, setzen sie es auch positiv um. Das weiß man.

STANDARD: Es hat im Vorfeld heftige Diskussionen gegeben, ob man investieren soll oder besser nicht - Stichwort Ökostromzuschlag und Lkw-Maut. Was hat schlussendlich den Ausschlag gegeben für die Entscheidung pro Bruck?

Simon: Ich glaube, es ist das Vertrauen der Konzernleitung in diesen Standort gewesen und die Erwartung, dass man das Investment positiv und in den gewünschten Zeiten über die Bühne bringt.

STANDARD: Die Zeitungsdruckmaschine PM 3 ist seit 51 Jahren in Betrieb und damit fast am Ende ihres Lebenszyklus. Gibt es Pläne für einen Ersatz?

Simon: Im Konzern ist man sich des Problems bewusst. Die Papiermaschine müsste neu gebaut werden und würde 500 Millionen Euro kosten. So etwas will gründlich überlegt sein. Ich glaube aber, dass wir in Bruck gute Karten haben.(DER STANDARD Printausgabe, 24.05.2004)