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Nano ist noch ein Nischen­investment. Ein Durchbruch ist eine Frage der Zeit - und der Anwendungen.

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Die US-Finanzberater Merrill Lynch legen Nanotechfirmen als nächsten Wachstumsmotor an den Börsen nahe und sehen bereits einen neuen Boom wie zuletzt bei den dot.com-Unternehmen.

Die Nanotechnologie ist eine Form der Materialforschung. Längst ist die Entwicklung mikroskopisch kleiner Bauteile nicht mehr ein obskures Hobby der Grundlagenforscher. Immer mehr Industrien profitieren von der Kunst, mit Materialien umzugehen, die nicht größer sind als das Hundertstel einer Haarbreite: Computer, Medizin, Energie, Haushalt, sogar die Modebranche.

Mit Zugabe von Nanoteilchen sollen T-Shirts keinen Schweiß mehr annehmen. Und die US-Firma Nanogen nutzt winzige Bauteile in Geräten, um Defekte im Erbmaterial aufzuspüren.

400 Millionen US-Dollar für Nano-Start-ups

2003 flossen über 400 Millionen US-Dollar (338.874 Mio. ¤) in Nano-Start-ups. Bis 2015, schätzt die Credit Suisse Forst Boston (CSFB), dürfte der US-Nano-Markt einen Wert von einer Milliarde Dollar (847 Mio. ¤) erreichen.

Merrill Lynch hat nun einen Nanotech Index am American Stock Exchange aufgelegt. Enthalten sind 25 US-Unternehmen, die aus der Halbleiter- und Sensortechnologie sowie aus Diagnoseinstrumenten Profit lukrieren wollen.

Die Finanzberater rechnen mit einer Wirtschaftsleistung von 1000 Milliarden Dollar in den nächsten zehn bis 15 Jahren. Allerdings: "Wir könnten zu früh dran sein. Nanotechnologie könnte zu Beginn nur einen begrenzten Erfolg haben. Es ist aber nur eine Frage der Zeit", heißt es in einer Studie.

Langfristiger Trend

Thiemo Lang, Fondsmanager bei der Münchner Fondsgesellschaft Activest, sieht es differenzierter: "Die US-Regierung hat mehrere Milliarden Dollar für Förderungen im Nanotechbereich freigemacht und dafür auch ein Gesetz geschaffen.

Einen schnellen, massiven Impakt wie beim dot.com-Boom sehe ich aber nicht, weil über Nanotech noch keine Endmärkte definiert werden." Soll heißen: Die Nanotechnologie verfeinert Materialeigenschaften zu neuartigen, nicht aber zu neuen Produkten.

"Kratzfester Lack wälzt nicht den Gesamtmarkt für Lacke um. Es ist ein Bottom-up-Aufbau: Ein Nanotechmarkt ist absehbar, ein Infrastrukturausbau derzeit noch nicht."

Zehnjahreshorizont

Ob ganze Gruppen von Materialien damit neu aufgebaut würden, werde sich zeigen: Für Anleger mit Zehnjahreshorizont sei Nano gut. Anleger sollten außerdem nur einen Teil ihres Portefeuilles mit diesen Werten füllen - Lang: "Es ist derzeit noch eine gute, zusätzliche Spielerei. Allerdings werden sich sehr viele Branchen in Zukunft mit dieser Technologie beschäftigen müssen."

Die "zusätzliche Spielerei" ist nunmehr auch in Österreich erhältlich - und zwar über die meisten Banken. Der spekulative, thesaurierende Fonds "Activest Lux NanoTech" enthält 50 Titel mit einem Volumen von insgesamt 32 Millionen Euro.

"Wir nehmen interessante etablierte Unternehmen, mit einer spekulativen Beimischung von Start-ups", erklärt Lang. Seit seiner Auflage im November 2002 verzeichnet der Lux NanoTech einen Zuwachs von rund 30 Prozent.

Große Profite seien aber erst zu erwarten, "wenn es zu einer fundamentalen Veränderung kommt und alle Branchen die neuen Materialtechnologien annehmen". Und das, meint Lang, könnte noch 20 bis 30 Jahre dauern. (DER STANDARD Printausgabe, 24.05.2004, Eva Stanzl)