An einem Tisch der Raststätte Korneuburg hat kürzlich ein junger Mann Zeitung gelesen, während er seine Melange süßen wollte. Er nahm ein blaues Zuckersackerl, riss es auf, leerte den Inhalt in den Aschenbecher und warf das Papier in den Kaffee. Danach hob er den Blick von der Zeitung, sah sein Werk und fragte: "Bin i scho ganz deppert?"

Diese Frage wollen wir heute mit: "Nein, männlich" zu beantworten versuchen. Es geht nämlich das Gerücht um, dass sich Männer nicht gleichzeitig auf zwei Dinge konzentrieren können. (Auch nicht auf drei.) Leserin Sandra, eine Verfechterin dieser Theorie, erzählt: "Sich auch einmal um das Baby zu kümmern" war für ihren Exmann theoretisch kein Problem. "Von der Arbeit rechtzeitig nach Hause zu kommen" - gelang ihm immer wieder. Aber: "Rechtzeitig nach Hause kommen und sich auch einmal um das Baby kümmern", zeitgleich sozusagen, das schaffte er nicht. Immer wenn er sich "einmal um das Baby kümmern" wollte, kam er bedauerlicherweise erst nach Hause, als das Baby schon schlief.

Sandras an der Praxis erprobte zweite Theorie: Männer, die sich nicht auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren können, sind potenzielle Exmänner. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 24.5.2004)