Die Krise der Musikindustrie in den vergangenen Jahren hat bei Künstlern und Labels die Experimentierfreude mit neuen Vertriebsformen gefördert. Die Erfolge einiger Experimente sprechen schon nach kurzer Zeit für sich. So habe sich beispielsweise der Single-Download zeitgleich mit dem Radio-Start eines Songs durchgesetzt, berichtet die New York Times (NYT) Montag. Verkaufsfördernd für die CD habe sich auch der Verkauf des Prince-Albums "Musicology" im Paket mit Konzertkarten des 80er-Jahre-Stars ausgewirkt, so das Wall Street Journal (WSJ).

"Es scheint dumm zu sein, den Hörern nicht die Möglichkeit zum Kauf und ihnen damit nur die Möglichkeit zum Stehlen zu geben"

Noch vor einem Jahr haben sich viele Musiklabels geweigert Singles bereits vor dem Album-Launch im Handel auch online zum Download anzubieten. Inzwischen habe sich aber der Start des Single-Downloads bis zu drei Monate bevor das Album im Handel erhältlich ist durchgesetzt, so die NYT. Die Ansicht, das frühzeitige Anbieten der Single zum Download schädige den Albumabsatz, hat sich nicht durchgesetzt. Nun dient der kommerzielle Download der Single als Mittel gegen File-Sharing-Netzwerke. Seit sich die Musikindustrie von der Maxi-CD verabschiedet hat, sind Musiktauschbörsen im Internet oft die einzige Möglichkeit zu Songs zu kommen, die im Radio bereits zu hören sind. "Es scheint dumm zu sein, den Hörern nicht die Möglichkeit zum Kauf und ihnen damit nur die Möglichkeit zum Stehlen zu geben", meint Amanda Marks von Universal Music zur NYT.

"Gold Experience"

Einen Erfolg der anderen Art konnte Prince mit seinem Album "Musicology" verbuchen, das bisher in den USA 583.000 Stück verkauft hat und damit wohl den Sommer über unter den Top-10 der Album-Charts aufscheinen wird, so das WSJ. Das letzte Prince-Album, das es in die US-Top-10 geschafft hat, datiert aus dem Jahr 1995 ("Gold Experience"). Grund für den Erfolg ist der Verkauf des Albums im Paket mit einer Konzertkarte. Ursprünglich wollte Nielsen SoundScan , in den USA für das Zählen der Albumverkäufe zuständig, die so verkauften CDs nicht in die Zählung aufnehmen. Aber das Prince-Management hat laut WSJ damit argumentiert, dass acht Dollar des Konzerttickets für die CD kalkuliert seien, und SoundScan damit überzeugt. Prince profitiert damit von einem Phänomen, das auch andere Stars kennen, die ihren Zenith schon vor mehr als einem Jahrzehnt überschritten haben: Alternde Fans sind bereit für Konzerntkarten überhöhte Preise zu zahlen, um alte Klassiker live zu hören. Das Konzertmagazin Pollstar geht bei der aktuellen Musicology-Tour von Prince von durchschnittlich 13.600 Konzertbesuchern viermal die Woche aus. Das sind wöchentlich über 54.000 verkaufte Alben, recht viel für einen Altstar. Das Billboard-Magazin will laut WSJ derartige gebündelte Konzertverkäufe nicht mehr zählen. Andere 80er-Jahre-Größen wie "The Cure" wollen hingegen das erfolgreiche Konzept für ihr nächstes Album aufgreifen, so das WSJ. (pte)