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Die Preissteigerungen werden im Schnitt um zehn Prozent überschätzt, so Studienautor Stefan Schulz-Hardt.

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Wien - Seit der Bargeld-Einführung des Euro Anfang 2002 orten Verbraucher europaweit vielfach auch dort Preissteigerungen, wo die Preise tatsächlich stabil geblieben sind. Den Grund dafür sieht eine heute, Dienstag, in Wien präsentierte Universitätsstudie in der so genannten "Teuro-Illusion", einer eingebildeten Preiserhöhung, die aus festen Erwartungen über Preiserhöhungen im Zuge der Euro-Einführung und Umrechnungsfehlern resultiert.

"Selektive Fehlerkorrektur"

Der Auslöser für eingebildete Preiserhöhungen sei eine "selektive Fehlerkorrektur", die nur "nicht erwartungsgemäße Ergebnisse" kontrolliert, erläutert Studienautor Stefan Schulz-Hardt, Professor für Sozial- und Finanzpsychologie an der Technischen Universität Dresden. Falsche Erwartungen - etwa, dass es durch die Euro-Einführung zu massiven Preiserhöhungen gekommen sei - würden auch durch die Realität (offizielle Statistiken über Inflationsraten und Preisindizes weisen keine überdurchschnittlichen Preissteigerungen durch den Euro nach) vielfach nicht korrigiert. Die Preissteigerungen werden im Schnitt um 10 Prozent überschätzt, so Schulz-Hardt.

Preissteigerungen überschätzt

Als Beweis für diese erwartungsgesteuerte Wahrnehmung hat Schulz-Hardt seit Anfang 2002 laborexperimentelle Studien mit 1.500 deutschen und 250 österreichischen Probanden verschiedenster Alters- und Berufsgruppen durchgeführt. Den Versuchspersonen wurden verschiedene Speisekarten eines italienischen Restaurants zum Preisvergleich mittels Kopfrechnen ohne Zeitlimit vorgelegt. Bei einer Speisekarte, bei der die Euro-Preise um 15 Prozent höher als in der DM- bzw. Schilling-Speisekarte angegeben waren, glaubten die Probanden an eine 20-prozentige Preissteigerung. Blieb der auf der Karte angegebene Preis gleich, empfanden ihn die Teilnehmer noch immer als 10 Prozent höher. Auf der Karte, wo die Preise um 15 Prozent niedriger angegeben waren, wurde von den Probanden eine Preisstabilität festgestellt. Je höhere Preissteigerungen erwartet wurden, desto höhere Steigerungen wurden auch wahrgenommen.

"Teuro-Illusion" branchenübergreifend

Bei der Umrechnung von der "alten" Währung in Euro würden nur solche Rechenfehler korrigiert, die den Erwartungen widersprechen, nicht jedoch solche, die mit ihnen in Einklang stehen, bemerkt Schulz-Hardt. Bereits im Vorfeld der Euro-Einführung seien vielfach Preiserhöhungen diskutiert worden. In Folge davon sei es bei den Verbrauchern zu festen Erwartungen von Preissteigerungen und damit zu Fehlwahrnehmungen gekommen. Diese "Teuro-Illusion" habe sich seit Anfang 2002 im Laufe der Zeit sogar verstärkt, sei berufs- und altersunabhängig (die Speisekarten-Preisvergleiche wurden auch Controllern vorgelegt) und trete nicht nur im Gastronomie-Bereich, sondern branchenübergreifend auf, so der Professor.

Die Studie sei "aus wissenschaftlichem Interesse" und ohne speziellen Auftraggeber durchgeführt worden, sagte Schulz-Hardt. In Österreich habe man bei der Durchführung der Tests mit der Österreichischen Statistischen Gesellschaft (ÖSG) kooperiert. (APA)