Graz - Das Cupfinale in Salzburg offenbarte wie in einer Nussschale, die zufällig das Aussehen eines modernen Stadions hatte, die Stärken und Schwächen des heimischen Ligafußballs. Eine hoch favorisierte, hochkapitalisierte Austria. Gegenüber eine harte, unspektakuläre, effiziente, nach den Feiern zum ersten Meistertitel in 102 Jahren der Klubgeschichte wacklige GAK-Truppe. Die Austria strahlte eine Begeisterung aus wie ein EU-Protokollant. Ihr bester Verteidiger, Afolabi, kickte nicht, weil er weg von der Austria will.

Potenzielle Kriminelle

Die Kulisse im zugigen Stadion? Eine Arbeitssitzung unter verschärften Bedingungen. Der unsympathische Kunstrasen; der Austragungsort - Hunderte Kilometer von der Heimat der beiden Klubs entfernt; der entsprechend magere Besuch; ein lächerlich übertriebener Sicherheitsaufwand - Hunderte Polizisten in Hartplastikkampfpanzern, die den Fans schon vor dem Spiel signalisierten, man halte sie für potenzielle Kriminelle; der Termin zwei Tage vor dem letzten Frühjahrsländerspiel; eine Biermarke als Sponsor eines Sportfestes, anlässlich dessen Politiker und Funktionäre gern die Vorbildwirkung auf die Jugend strapazieren.

Unüberwindlicher Trotz

Gut, dazu passte immerhin der vom Abtanzen ermattete GAK, der dreimal die Führung der prinzipiell matten Austria ausglich, um das Elferschießen schließlich zu gewinnen. Weil Schiedsrichter Drabek den zweitbesten GAKler, Libero Tokic, ausschloss. Und plötzlich regte sich Leben. Der Grazer Trotz war für die Austrianer unüberwindlich. Eine halb angeflaschelte Truppe ist das Beste, was der heimische Kick derzeit zu bieten hat. So einfach kann Fußball sein, und vielleicht wird sportliches Leben schlicht überschätzt. (josko DER STANDARD Printausgabe 25.05.2004)