Seit einigen Wochen traktiert uns der ORF mit Hochzeitsfeierlichkeiten des europäischen Hochadels, was zwar besser ist als die übliche Wadelstutzenparade, aber ähnlich monoton. Man sieht Herren in Cutaway bzw. Uniform und Damen mit Hüten, die an notgelandete Hubschrauber gemahnen. Dazu der Expertenkommentar, wie zum Beispiel der Hinweis eines schon etwas eingeschränkt wirkenden Mitglieds eines deutschen Fürstenhauses (Reiß-Kreuz-Gichtingen oder so ähnlich), früher habe man die bürgerlichen Bräute nicht geheiratet, sondern höchstens als Mätressen genommen. Nun ist das ja alles vorläufig einmal vorbei und erst wenn Prinz William jemanden heimführt, ist wieder mit so etwas zu rechnen, dann allerdings als totales freak-out. Dass jetzt auch Bürgerliche geheiratet werden, muss sich nicht unbedingt als Fortschritt herausstellen. Prinzessin Letizia, vorher eine junge Frau mit einem echten Beruf, hat in den Monaten vor der Hochzeit neun Kilo abgenommen und wirkte stark angespannt. Vielleicht dachte sie an die Frau des japanischen Kronprinzen, vor ihrer Ehe ebenfalls eine Bürgerliche mit einer interessanten Karriere, derzeit mit schwersten Depressionen im zeitlich offenen Eheurlaub. (Hans Rauscher, Der Standard, Printausgabe, 25.05.2004)