Wien - Wie hoch die Dunkelziffer ist, wie viele Frauen oder Kinder von ihren Lebenspartnern oder Vätern geschlagen werden, kann derzeit nicht einmal geschätzt werden. Offiziell haben im Vorjahr 2620 Gewaltopfer in Österreichs Frauenhäusern Schutz gesucht, mehr als 8000 haben telefonisch um Rat gefragt. Weitere Schätzungen, die das Institut "Sicher Leben" publizierte, besagen, dass sogar jede fünfte Frau einmal in ihrem Leben sexuell misshandelt werde. Jedes Jahr seien bis zu 25.000 Kinder sexueller Gewalt ausgesetzt.

Nächste Woche findet zu dem Thema in Wien die "Weltkonferenz für Verletzungsverhütung" statt. Expertinnen und Experten beraten, wie man die unbekannte Größe "Dunkelziffer" quantifizieren kann. Gewaltprävention ist ein Schwerpunktthema auf dieser Konferenz. Ein britischer Gewaltforscher hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Misshandlungen an Kindern klar von Unfallverletzungen abgegrenzt - und leichter erkannt - werden können. Die Zahl der betroffenen Körperteile, die Länge und die Form der Verletzung werden zur Beurteilung herangezogen.

Wie viele von den Betroffenen Dritten gegenüber behaupteten, "ich bin gestolpert und über die Treppe gestürzt", aber in Wahrheit geschlagen wurden, kann also niemand sagen. Frauen, aber auch Kinder wagen es häufig nicht, die Täter anzuzeigen. (aw, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 25.5.2004)