Die Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile USA, nimmt drei bisher gemeinsam mit dem Konkurrenten Cingular betriebenen Mobilfunknetze in eigene Regie. Wie Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick am Dienstag in Bonn mitteilte, liegt der Preis für die beiden Netze in Kalifornien und Nevada bei netto 2,3 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. Euro) in bar. Das Netz in New York gehörte der Telekom bereits, wird künftig aber von ihr allein betrieben.

Hintergrund

Hintergrund der Aktion ist die bevorstehende Übernahme des Konkurrenten AT&T Wireless durch Cingular. Die Aufgabe des seit 2001 bestehenden Joint Ventures von Telekom und Cingular steht unter dem Vorbehalt, dass die US-Behörden den Zusammenschluss von Cingular und AT&T genehmigen. Die Transaktion zwischen Telekom und Cingular soll Anfang 2005 abgeschlossen sein.

Abnahme von Gesprächsminuten für eine Übergangszeit von vier Jahren

Die Deutsche Telekom sieht nach Eicks Worten durch die Übernahme der Netze in den wichtigen Regionen Kalifornien und Nevada ihre Marktposition in den USA gestärkt. Die Telekom muss 2,5 Mrd. Dollar für die Netze bezahlen, bekommt aber 200 Mio. Dollar für die Auflösung des Joint-ventures zurück. Außerdem vereinbarte sie mit Cingular eine Abnahme von Gesprächsminuten für eine Übergangszeit von vier Jahren, die über diesen Zeitraum garantierte 1,2 Mrd. Dollar in die Kassen von T-Mobile USA bringt.

200 Millionen

Die Telekom-Tochter kaufte zudem von Cingular Lizenzen in Sacramento, San Francisco und Las Vegas für rund 200 Mio. Dollar. Eick wies darauf hin, dass die Telekom durch die Übernahme der Netze zunächst schon eingeplante Investitionskosten von 1,1 Mrd. Dollar spart, weil die Netzkapazität für einen Betreiber allein jetzt ausreiche.

Alleineigentum

T-Mobile-Chef Rene Obermann sagte, das Alleineigentum an den Netzen in Kalifornien und Nevada schaffe für T-Mobile USA Unabhängigkeit für zukünftiges Wachstum. Immerhin verfüge die Region über 38 Mio. Einwohner; die Wirtschaftskraft von Kalifornien allein sei vergleichbar mit der von Frankreich. Die Telekom könne deshalb die Wachstumserwartungen in den USA deutlich erhöhen. Bereits Ende 2004 werde sie dort mehr als 16 Mio. Kunden haben. Für einen Zeithorizont von rund zehn Jahren rechne sie nun mit 30 bis 35 Mio. US-Kunden, deutlich mehr als die aktuellen Analystenschätzungen von 25 Mio. Kunden.

Erwartung

Obermann äußerte ferner die Erwartung, dass T-Mobile USA bereits im laufenden Jahr positive Ergebnisse beim Free Cash-Flow erreichen werde. Der Nettozugang von 1,2 Mio. Kunden im ersten Quartal 2004 auf 14,3 Mio. Kunden stelle einen Rekord da; die Telekom liege damit in den USA nur knapp auf Platz zwei hinter Marktführer Verizon. (APA)