Der vor drei Jahren entfachte Streit um die Verhaltensvereinbarungen an Schulen erreichte einen neuen Höhepunkt, als die Regierungsparteien vergangenen Dienstag im Parlament diesbezüglich einen Antrag stellten.

Der Schulgemeinschaftsausschuss (SGA), der auch die Hausordnungen beschließt, soll nun eine Zweidrittelmehrheit in jeder Kurie benötigen, um Bestimmungen geltend zu machen. Unterstützt wurde der Antrag von den Grünen, nicht aber von der SP. Als eine "Verbesserung des Status quo", sieht der grüne Bildungssprecher Dieter Brosz den Antrag, worin ihm Erwin Niederwieser entschieden widerspricht. "Keine Verbesserung, sondern eine Verfestigung", nennt der SP-Bildungssprecher die geplante Neuregelung im Gespräch mit dem SchülerStandard. "Die antiquierten Hausordnungen wären nur mehr mit einer Zweidrittelmehrheit zu ändern."

Auch Bundesschulsprecherin Romana Brait vermutet eine Einzementierung sämtlicher Verhaltensvereinbarungen durch die geplante Neuregelung und kritisiert die Strafmentalität an Schulen. "Ich glaube, pädagogisch ist das das Blödeste, was man machen kann", erklärt sie dem SchülerStandard. Ähnlicher Meinung ist AKS-Vorsitzende Kathi Kreissl. Sie kritisiert die bestehenden Hausordnungen hart, die "mittelalterliche Strafen ohne pädagogischen Anspruch" beinhalten. Kreissl erzählte dem SchülerStandard von einer Privatschule, an der eine Strafe von zehn Euro bei Schaukeln mit dem Sessel vereinbart ist, sowie Schulen, an denen Putzdienst verhängt wird und Razzien durchgeführt werden. Die Verhaltensvereinbarungen seien kein Vertrag zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, "sondern ein reines Machtinstrument". (grill)