New York - Die Affäre um überzogene Bezüge des zurückgetretenen Chefs der New Yorker Börse, Richard Grasso, hat ein juristisches Nachspiel. New Yorks Justizminister Eliot Spitzer reichte am Montag (Ortszeit) vor dem Obersten Gerichtshof des Bundesstaates Klage ein. Ziel des Zivilverfahrens sei es, die astronomisch hohe Vergütung Grassos zu annullieren und angemessene Zahlungen festzusetzen, erklärte Spitzer.

Dabei geht es um eine Summe von insgesamt 187,5 Mio. Dollar (157 Mio. Euro). Die exorbitanten Bezüge hatten Grasso im vergangenen Jahr zu einem Symbol für Raffgier an der Wall Street werden lassen und schließlich zu seinem Rücktritt geführt.

"...unverfrorenes Streben nach Bereicherung..."

"Dieser Fall demonstriert alles, was bei der Festsetzung von Managerbezügen schief gehen kann", erklärte Spitzer: "Das Fehlen richtiger Informationen, eine erstickte interne Diskussion, das Scheitern der Verwaltungsratsmitglieder, eine saubere Untersuchung zu führen, und das unverfrorene Streben nach persönlicher Bereicherung führten zu einem vollkommen unangemessenen und illegalen Ausgleichspaket." Die Klage richtet sich demnach auch gegen Kenneth Langone, den ehemaligen Chef des Vergütungsausschusses im Verwaltungsrat der New York Stock Exchange (NYSE).

Die Gehaltsaffäre hatte im vergangenen Jahr auch bei institutionellen Investoren für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Konkret geht es um die Auszahlung eines Gehaltspakets von 139,5 Mio. Dollar an Grasso. Dieses enthielt Pensionsansprüche und andere Vergütungen, die seit Grassos Anstellung bei der NYSE vor mehr als drei Jahrzehnten aufgelaufen waren. Auf weitere Vergütungen in Höhe von 48 Mio. Dollar, die den Zeitraum bis 2007 abdeckten, hatte Grasso vor seinem Rücktritt zunächst verzichtet, verlangt diese aber nun wieder.

Börse-Nettogewinn als Gehalt

Spitzer erinnerte daran, dass die Bezüge von Beschäftigten nichtkommerzieller Organisationen wie der NYSE nach New Yorker Recht "vernünftig" und "den erbrachten Diensten angemessen" sein müssen. Der Fall Grasso habe dagegen "bei weitem das überschritten, was erlaubt gewesen wäre". Dabei habe die Summe der Bezüge und Prämien in den Jahren 1999 und 2001 fast die Höhe des gesamten Nettogewinns der New Yorker Börse erreicht. "Das ist einfach zu viel, es ist nicht vernünftig, es ist nicht richtig und es verstößt gegen das Gesetz."

Grasso zeigte sich "enttäuscht", dass Spitzer sich in einen Streit zwischen ihm und seinem ehemaligen Arbeitgeber einmische. "Ich kann es kaum erwarten, mich vor Gericht zu rechtfertigen." Aus seiner Sicht sei die Entscheidung zu seinen Bezügen korrekt und "im Interesse der New Yorker Börse" gefallen.

Vom Helden zum Buhmann

Grasso hatte die weltgrößte Börse acht Jahre lang durchaus erfolgreich geleitet. Zu einer Art Held der Wall Street stieg er auf, als es ihm im Chaos nach den Terroranschlägen des 11. September gelang, die Wiederaufnahme des Handels schnell zu organisieren. Doch wenige Monate danach, als die Skandale um Enron und WorldCom die Märkte erschütterten, begann sein Stern zu sinken. Denn der Börsenvorstand ist auch dafür zuständig, das Geschäftsgebaren der notierten Unternehmen zu regulieren.

Grasso aber blieb untätig. Immer mehr geriet er in den Verdacht, stark mit Firmen verbandelt zu sein, die er kontrollieren sollte: Der NYSE-Verwaltungsrat ist voller Unternehmensvertreter, und sie beherrschen auch den Ausschuss, der über die Gehälter der Börsenmanager entscheidet. (APA)