Dieter Rampl, Vorstandssprecher der Münchner HypoVereinsbank (HVB) ist mit der Entwicklung der Österreich-Tochter zufrieden, aber nicht ganz. Der HVB gehören rund 76 Prozent der Bank Austria Creditanstalt, BA-CA). Rampl erwartet von den Wienern "höhere Erträge aus dem Geschäft in Österreich und größere Marktanteile in Zentral-und Osteuropa."

Für diese Regionen, dem Schlüssel- und Hoffnungsmarkt der Gruppe schlechthin, ist im HVB-Konzern die BA-CA zuständig. Ihre Mutter HVB steckte in den vergangenen zwei Jahren tief in der Verlustzone, 2003 wurden massive Restrukturierungen und Beteiligungsverkäufe vorgenommen.

"Transformation abgeschlossen"

Damit - und mit der HVB-Kapitalerhöhung, die rund drei Milliarden Euro ins Haus gespült hat - sei die "Transformation der HVB nun aber abgeschlossen, wir haben alle damit verbundenen Ziele erreicht", so Rampl bei einem Pressegespräch in München.

Seine langfristige Vision ist überaus ambitioniert: "Die HVB soll die zweitgrößte Privatkundenbank Deutschlands mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent werden." Das setzt massive Umstrukturierungen auf dem zersplitterten deutschen Bankenmarkt voraus. Rampls Idee: Die HVB könnte mit Sparkassen, den deutschen Marktanteilsriesen, Fusionen eingehen.

BA-CA: "Im Großen und Ganzen befriedigend"

Die Geschäfte der BA-CA, die im ersten Quartal 2004 ihren Gewinn um ein Drittel auf 133 Mio. Euro, gesteigert hat, würdigte der HVB-Chef so: "Die BA-CA arbeitet im Großen und Ganzen befriedigend. Sie verdient besser als ihre Mutter und ist in ihren Märkten ertragreicher."

"Aber", so Rampl, "die BA-CA muss ihre Marktanteile in Zentral- und Osteuropa erhöhen und kann in Österreich ihre Erträge noch steigern. Besonders bei den Kreditmargen ist noch was drin, und im Retail kann man auch noch aufs Gas steigen ".

Dabei kommt es laut dem 57jährigen Auslandsösterreicher gar nicht so sehr auf weitere Einsparungen an: "Weder in Deutschland noch in Österreich können wir den Wettbewerb über die Kostenseite gewinnen. Jetzt geht es um Erträge."

Das bedeutet freilich noch lange keine Entwarnung für die laufenden Verhandlungen über eine Modernisierung und (aus Arbeitgebersicht) Verbilligung des Dienstrechts im Sparkassensektor, zu dem die BA-CA gehört.

Rute ins Fenster der Gewerkschafter

Im Gegenteil, Rampl stellte Gewerkschaftern und Betriebsräten die Rute ins Fenster: Er erinnert daran, dass die BA-CA 2006 aus dem Sparkassensektor austreten könnte. Der Konzernchef deutlich: "So wie das Dienstrecht heute ist, sind wir damit nicht zufrieden."

Im übrigen fordert die Münchner Mutter von ihrer Wiener Tochter nach wie vor die bessere Koordination der gemeinsamen Geschäfte. Das Ziel dahinter brachte Rampl so auf den Punkt: "Mir ist egal, ob der Ertrag in Wien, München oder Warschau anfällt. Hauptsache, der Ertrag landet in der HVB." (DER STANDARD Printausgabe, 26.05.2004)