Wien - Die Zukunft des Anlagenbaukonzerns VA Tech hängt nicht nur vom - derzeit hervorragend laufenden - Geschäftsgang ab, sondern insbesondere von der Übernahmekommission. Diese prüft, wie berichtet, ob die von der Aktionärsgruppe rund um Mirko Kovats mit schweizerischen Paketaktionären zu Fall gebrachte Kapitalerhöhung abgestimmtes Verhalten war.

Kommt die Übernahmekommission unter Peter Doralt zum Schluss, dass ein Übernahmeangebot gelegt werden muss, erwartet die VA-Tech-Aktionäre allerdings kein warmer Geldregen.

Sechs-Monate-Schnitt

Denn im Sechs-Monate-Schnitt beträgt der Kurs nicht die üppigen 42,22 Euro der vergangenen drei Wochen, sondern nur 31,51 Euro. Dass die Mehrheit der Aktionäre solch ein Pflichtangebot annimmt, darf als unwahrscheinlich gelten.

Annehmen würden dieses Angebot wohl nur "Kovats' Freunde" wie die Schweizer Legitimationsaktionäre. Sie wären damit quasi "legitimiert" und könnten mit ihren zusammen gut 25 Prozent VA-Tech-Aktien künftig ungeniert im Verband auftreten und wichtige Entscheidungen wie die 2005 anstehende Neubesetzung des Aufsichtsrats maßgeblich beeinflussen. Sie könnten sogar verhindern, dass die Staatsholding ÖIAG mit ihren 15 Prozent ein Aufsichtsratsmandat bekommt.

Entscheidung völlig offen

Wie die Übernahmekommission entscheiden wird, ist völlig offen. Eines ist aber klar: Im Kampf um die Vorherrschaft in der VA-Tech stellten ein mögliches Pflichtangebot (und die Ablehnung desselben) eine wichtige Vorentscheidung dar.

In dem Fall wäre nämlich die faktische Übernahme der VA Tech gelungen. Übernahmegesetz und VA-Tech-Satzung greifen dann nicht mehr, ihnen wurde mit dem abgelehnten Pflichtangebot Genüge getan.

Der VA-Tech-Vorstand wird die Ablehnung der Kapitalerhöhung und des Wirtschaftsprüfers in der Hauptversammlung übrigens nicht anfechten. Generaldirektor Erich Becker begründete dies bei Vorlage der Quartalszahlen am Dienstag damit, dass ohnehin die ÖIAG klagen werde. "Wir konzentrieren uns auf das Geschäft und nicht auf die Gerichte", betonte Becker.

Geschäfte laufen wie geschmiert

Die Geschäfte laufen wie geschmiert: Der Auftragseingang stieg im ersten Quartal 2004 auf den Rekordwert von 1,3 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz stieg von 802 auf 914 Mio. Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen um 17 Prozent auf 30,0 Mio. Euro.

Das Betriebsergebnis (Ebit) sank um 13 Prozent auf 15,4 Mio. Euro. Das Wachstum komme jedoch nicht nur aus China, sondern auch aus den neuen EU-Ländern. Nordamerika stagniert, die "alte" EU bringt nur bis zu zwei Prozent Wachstum. (DER STANDARD Printausgabe, 26.05.2004, Luise Ungerboeck)