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Foto: Reuters
Nach dem teilweisen Einsturz eines Terminals am Pariser Flughafen Roissy am Sonntag (vier Tote) wird immer häufiger über Baumängel als mögliche Ursache spekuliert. Die Flughafenleitung "Aéroports de Paris" (ADP) bestätigte, dass es beim Bau des im Juni 2003 eröffneten Terminals Risse in den tragenden Pfeilern gegeben hatte. Dieses Problem sei jedoch rasch behoben worden, hieß es.

Informationen der Tageszeitung "Le Monde" zufolge hatte der Rechnungshof in seinem Bericht 2002 beim Nachbarterminal wegen der komplizierten Konstruktion auf die Gefahr eines Einsturzes aufmerksam gemacht.

ADP: Bauauflagen eingehalten

Da an dem beschädigten Terminal die Gefahr weiterer Einstürze besteht, ist noch unklar, wann die unterbrochenen Aufräumarbeiten wieder aufgenommen werden können. Die Gewerkschaften richten sich auf eine völlige Stilllegung von zwei bis drei Jahren ein.

Laut ADP haben erste Prüfungen ergeben, dass alle wesentlichen Bauauflagen eingehalten worden sind. Möglicherweise seien mehrere Faktoren für den Einsturz verantwortlich. So könnten Folgen der Bodenvibrationen durch den Verkehr unterschätzt worden sein.

Pfusch beim Bau?

Kritiker allerdings haben zwei weitere Thesen, eine davon heißt Pfusch beim Bau durch starken Zeitdruck. Die davor bestehenden Bauten waren zum Andocken für den künftigen Airbus A380 zu niedrig. Der neue Terminal sollte Air France einen uneinholbaren Vorsprung vor der Lufthansa beim Angebot interkontinentaler Umsteigeflüge verschaffen und den Investoren die Privatisierung der ADP schmackhaft machen.

These zwei: Die Konstruktion ist falsch. Die ADP bestand darauf, dass sich die mit Glas verkleidete, 70 Meter breite Stahlbetonröhre ohne Säulen selbst trägt. Das ist laut Experten praktisch, elegant, aber auch heikel. Die Betonzylinder dehnen sich bei Hitze bis zu acht Zentimeter mehr aus als der Glasmantel. (dpa/DER STANDARD; Printausgabe, 26.5.2004)