Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/STIPLOVSEK
Brüssel - Mit Hans-Peter Martin (47) versucht nun ein Unbequemer auf eigene Faust den Weg ins EU-Parlament, wohin er erstmals von der SPÖ 1999 als Spitzenkandidat geschickt worden war. Damals hatte ihn Bundeskanzler und SPÖ-Chef Viktor Klima als Quereinsteiger aus dem Hut gezaubert. Der Freundeskreis Martins, der nie der SPÖ beitrat, ist seither nicht größer geworden. Es wollte sich im EU-Parlament bisher auch noch niemand als Unterstützer seiner "Europäischen Transparenz Initiative" outen.

Martin verscherzte es sich schon im Laufe des Wahlkampfes mit Kollegen und Mitarbeitern. Am Tag nach der Wahl brach der Konflikt offen aus, als die SPÖ-Abgeordneten nicht ihn, sondern Hannes Swoboda zum Delegationsleiter wählten. Martin nahm es nicht gelassen hin, sondern hält seine Partei seither mit Kritik und Vorwürfen auf Trab. Dabei zögerte er auch nicht, aus vertraulichen Gesprächen zu zitieren und andere zu verunglimpfen.

"Spion" vs. "Notwehr"

Das Vertrauliche öffentlich zu machen, brachte ihm knapp vor Beginn des Wahlkampfes für die EU-Wahl am 13. Juni auch wieder die Aufmerksamkeit ein, die er in den zu Ende gehenden fünf Jahren im EU-Parlament vermissen musste. Seine mit mehr oder weniger versteckter Kamera und Mikrofon gemachten Aufzeichnungen aus den Gängen und Sälen des EU-Parlaments geben "Kronen Zeitung" und "News" regelmäßig Anlass zur Berichterstattung. Die anderen Abgeordneten werfen ihm dafür Spitzelmethoden vor, ein "Spion" sei er. Für Martin ist es "Notwehr", um sein Anliegen transportieren zu können.

Inhaltlich konnte sich Martin im EU-Parlament nicht durchsetzen. Weil er nicht an spannende Berichte herangelassen wurde, so Martin. Weil er nicht zur Kooperation bereit war, so die anderen Abgeordneten. Unbestritten ist, dass Martin kein Teamspieler war und ist. Im Wahlkampf für die SPÖ hatte er auf die Themen Transparenz, Neutralität und Arbeitsplätze gesetzt. Schon damals wurden Vorwürfe laut, er wolle nur als verdeckter Journalist arbeiten. Nun sucht er mit journalistischen Mitteln den Weg zur Fortsetzung der Politik.

Bestseller

Martin wurde 1957 in Bregenz, Vorarlberg, geboren. Er studierte Rechts- und Politikwissenschaften in Wien. Ab 1986 war er außenpolitischer Redakteur beim deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in Hamburg. Von 1989 bis 1991 war er Korrespondent für Südamerika mit Sitz in Rio de Janeiro. Dann leitete er das "Spiegel"-Büro in Wien. Neben dem Bestseller "Die Globalisierungsfalle" publizierte er "Nachtschicht - eine Betriebsreportage" sowie als Co-Autor "Gesunde Geschäfte", "Kursbuch Gesundheit" und "Bittere Pillen".

1980 erhielt er den Dr.-Karl-Renner-Förderungspreis für Publizistik und 1997 den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch. Martin ist Mitbegründer des Ökologie-Instituts Wien (1985), war bis zu seiner Wahl in das EU-Parlament Aufsichtsrat bei Greenpeace in Deutschland und Co-Mitglied des Club of Rome. (APA)