Wien - Ein namhaftes Lizenzabkommen zur Entwicklung bakterieller Impfstoffe hat das Wiener Biotech-Unternehmen Intercell AG, ein Kandidat für einen Börsegang, mit dem US-Pharmahersteller Merck & Co. abgeschlossen. "Dies ist der bisher größte Biotech-Deal von Österreich aus", sagte Intercell-Vorstandschef Alexander von Gabain am Mittwoch vor Journalisten. Nach einem ähnlichen Abkommen mit der Vakzin-Sparte von Aventis im Februar arbeite man in dem Sektor nun mit den beiden Pharma-Marktführern zusammen. "Damit steigen wir in die Champions League auf", so Finanzvorstand Werner Lanthaler. Von Merck erhalte man in den nächsten Jahren durch Upfront-Zahlungen, Milestone- und Lizenzgebühren "reichlich Geld", über das Volumen sei Stillschweigen vereinbart. Der Merck-Deal sei aber noch größer als die Aventis-Vereinbarung.

Entwicklung von Antikörperprodukten

Das Merck-Abkommen enthält zudem die Option zur Entwicklung von Antikörperprodukten und stellt für Intercell die Ausweitung einer seit 2001 bestehenden Forschungszusammenarbeit dar. Neben signifikanten Einmal- und Lizenzzahlungen für neue Impfstoffprodukte erhält Intercell weitere Gelder, wenn Merck & Co. Inc die Entwicklung eines Antikörperproduktes nutzt. Zusätzlich bekommt die Wiener Firma danach auch Lizenzzahlungen auf zukünftige Produktumsätze, da der US-Konzern die exklusiven weltweiten Rechte zur Vermarktung der unter diesem Abkommen entwickelten Produkte erworben hat.

"Aufstieg in erste Liga"

Die vor allem mit Venture Capital finanzierte Intercell AG, die seit kurzem auch über eine eigene Produktionsstätte in Schottland verfügt, forscht und entwickelt mit aktuell 130 Mitarbeitern vor allem im Bereich neuartiger Impfstoffe bzw. Impfstoff-Antigene. Dabei will man nicht nur Technologiezulieferer sein, sondern die gesamte Wertschöpfungskette abdecken "und in sehr kurzer Zeit zu den weltweiten Top-10 der Impfstoffindustrie aufschließen", so Lanthaler in einem Pressegespräch. Dabei bewegt man sich in einem absoluten Wachstumsmarkt: In den vergangenen zehn Jahren habe sich der globale Impfstoffmarkt verdreifacht, eine weitere Verdreifachung stehe bevor.

Als größten Hoffnungsträger in der Pipeline hat Intercell derzeit einen neuen Impfstoff gegen den Hepatitis-C-Virus, der vor allem Lebererkrankungen auslöst. Hier befindet man sich in der Behandlungen bei "Non-Respondern", die auf die herkömmliche Interferon-Hormontherapie nicht ansprechen, in der "Phase 2", der klinischen Prüfung mit ausgewählten Probanden, Resultate sollen bis Ende August vorliegen. Weltweit gibt es derzeit laut Gabain rund 200 Millionen chronisch HCV-Infizierte und jährlich 3 Mio. Neuinfektionen. Allein für Europa wird das Marktvolumen eines neuen HCV-Impfstoffs auf jährlich 800 Mio. Euro geschätzt.

Bereits vor dem Start einer groß angelegten "Phase 3"-Prüfung im kommenden Jahr steht Intercell zu einem vorbeugenden Impfstoff im Kampf gegen die Japanische Enzephalitis, nachdem die klinische Prüfung ("2") erfolgreich beendet wurde. Der in Asien, Indien und Australien vertretene Virus kann zu schweren Gehirnerkrankungen führen, bei einem Drittel der Patienten nachhaltig. Der heutige Impfstoff, auf Mäusehirn produziert, habe signifikante Nebenwirkungen und sei daher nicht als akzeptabel anzusehen, sagte Gabain. Den neuen Impfstoff könne Intercell - nach der in den nächsten zwei, drei Jahren erhofften Zulassung - im eigenen schottischen Werk herstellen, in dem derzeit 30 Mitarbeitern tätig sind. Das jährliche Marktvolumen des Enzephalitis-Vakzins wird auf 200 bis 300 Mio. Euro geschätzt.(APA)