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Etwa 150 Millionen Mädchen und Frauen sind weltweit von FGM betroffen.
foto: Reuters/ANTONY NJUGUNA

Wien - Anlässlich der Veröffentlichung des Jahresberichts der Menschenrechtsorganisation Amnesty International erinnerte Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für Entwicklungszusammenarbeit, dass abseits abscheulicher Menschenrechtsverletzungen, wie beispielsweise im Irak, die den Weg in die Medien finden, täglich Millionen Menschen versteckt vom öffentlichen Interesse leiden. Diese stille Unterdrückung trifft gerade in den Entwicklungsländern vor allem Frauen", so Bayr.

Mangelnde Frauenrechte

Frauen leiden unter fehlenden Rechten, beispielsweise was ihre Stellung in der Familie und die Möglichkeit, Land zu besitzen betrifft. Sie leiden unter Gewalt, die sich vielschichtig gegen sie richtet. Sie leiden als erstes bei militärischen Auseinandersetzungen. Und sie leiden daran, ökonomisch vielfach abhängig zu sein und kein selbstbestimmtes Leben führen zu können, so die SPÖ-Abgeordnete weiter.

FGM als grausamste Menschenrechtsverletzung

Eine der grausamsten Menschenrechtsverletzungen ist die weibliche Genitalverstümmelung, von der weltweit geschätzt über 150 Millionen Frauen betroffen sind. Dabei werden Teile der äußeren Genitalien mit Messern, Glasscherben oder Rasierklingen weggeschnitten, meist im Kindesalter, oft schon bei Babys. Diese Frauen sind später jeglicher Lust an Sexualität beraubt, sie leiden ein Leben lang unter psychischen und physischen Qualen, beispielsweise deshalb, weil vor jeder Geburt, zum Teil sogar vor jedem Geschlechtsverkehr die Genitalien aufgeschnitten und danach wieder zugenäht werden.

Steigende Zahlen

Täglich kommen weltweit etwa 7.000 Mädchen mehr dazu, die so verstümmelt werden und so einen Teil ihrer Zukunft verlieren, wenn sie nicht an den Folgen des Eingriffes sterben, der oft unter unvorstellbaren unhygienischen Bedingungen vor sich geht. In 28 afrikanischen Staaten sind bis zu 90 Prozent aller Frauen und Mädchen von dieser Form der Gewaltanwendung betroffen.

"Weibliche Genitalverstümmelung darf nicht tabuisiert werden - gerade wir im Norden müssen das Problem offen ansprechen. Es ist unser aller Auftrag, den Frauen im Süden zu einem unversehrtem Leben zu verhelfen - mit allen Rechten, die ihnen als Frauen zustehen", so Bayr. Das Durchbrechen tausender Jahre alter Traditionen ist nicht einfach - aber konkrete Projekte beispielsweise in Äthiopien zeigen, dass ein Paradigmenwechsel gelingen kann, wenn man auf die Ängste und Traditionen eingeht, sie ernst nimmt und mit gesundheitlichen und menschenrechtlichen Argumenten überzeugt.

Praxis auch in Österreich angewandt

Weibliche Genitalverstümmelung ist aber nichts, was auf das ferne Afrika beschränkt ist. Petra Bayr: "Es darf nicht vergessen werden, dass auch in Österreich Mädchen und Frauen von Genitalverstümmelungen betroffen sind; eine Menschenrechtsverletzung vor unserer Haustüre, die unserem Selbstbewusstsein einer hoch entwickelten Zivilisation nicht würdig ist.

Die gesetzlichen Regelungen in Österreich verbieten natürlich diese Verstümmelung an Frauen und jungen Mädchen und stellen sie unter Strafe. Dennoch werden hier lebende Mädchen afrikanischstämmiger Familien dem grausamen Ritual von FGM unterzogen, deren körperliche und psychische Verletzungen irreparabel, wenn nicht tödlich sind.

Aufklärung

Strenge Strafen sind daher nur eine - wiewohl unerlässliche - Form der wirksamen Bekämpfung von FGM. Petra Bayr ist überzeugt, dass vor allem Aufklärung hier dauerhaft Fortschritte sichern kann. "Die Erfolge, die wir in Afrika selbst beobachten können, nur aufgrund von Enttabuisierung und Aufklärung, geben uns berechtigte Hoffnung, dass auch wir in Europa unseren Beitrag dazu leisten können, dieser menschenunwürdigen Praktik ein Ende zu setzen!" Petra Bayr gründete zu Beginn des Jahres gemeinsam mit mehreren Organisation die österreichweite Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung: unter Stop FGM können UnterstützerInnen ihre solidarische Haltung bekunden. (red)