Bregenz - Die mit Finanzsorgen geplagten Stadtoberhäupter dürften eine Kernaussage des Eröffnungsreferates beim 54. Österreichischen Städtetagetag in Bregenz gern gehört haben: Zum Thema "Starke Städte im größeren Europa" skizzierte Politologe Anton Pelinka bei der Festveranstaltung im Festspielhaus die Zukunft der urbanen Welt. "Wenn weniger Staat - dann mehr Stadt", postulierte Pelinka.

Die Urbanisierung zählt laut Pelinka zu den Megatrends der Gesellschaft. Die Städte seien kulturell, politisch und beruflich der mobilste Sektor der Gesellschaft. Ballungszentren wachsen und die Städte dienten dabei als "Gesellschaftslabor".

Hier werde der unscharfe Globalisierungsbegriff spürbar und mit Leben erfüllt. Städte brauchten Strukturen und Funktionen, also Aufgaben und dazu die entsprechenden finanziellen Mittel zur Erfüllung derselben.

"Soziale Korrektive der Marktwirtschaft"

Die Städte sind laut Pelinka "soziale Korrektive der Marktwirtschaft". Öffentlicher Verkehr, öffentliches Bildungssystem, öffentliche Spitäler oder Wasserversorgung - das alles seien nicht Aufgaben der Öffentlichkeit schlechthin, "das sind zuallererst Aufgaben der Städte", erinnerte der Politologe.

Der Österreich-Konvent könnte den Städten eine wesentliche Reduzierung der finanziellen und damit der politischen Gestaltungsmöglichkeiten bringen, warnte Pelinka vor einer falschen "Lastenverteilung" und problematischen Entwicklung, wonach der kommunalen Selbstverwaltung die finanziellen Voraussetzungen entrissen werden könnten.

"Das was heute die Städte sind, das ist morgen die ganze Gesellschaft", prognostizierte der Festredner. Deshalb sei jedes Land gut beraten, "die Städte nicht als einen isolierten Teil zu sehen, sondern als den Teil, in dem sich die unmittelbare Zukunft des Ganzen spiegelt". (APA)