Was von vielen Patienten als wirkliche Schikane empfunden wird, ist für die Krankenversicherung ein wichtiges Steuerungselement. Darum denkt Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat zu Recht nicht an eine Abschaffung der Chefarztpflicht. Denn die Kontrolle der Verschreibungspraxis für oft buchstäblich sauteure Medikamente ist nicht nur das gute Recht der Sozialversicherung, sondern ihre Pflicht. Der Hauptverband muss als Hauptfinanzier im Gesundheitswesen auch auf eine ökonomische Verwendung der ohnedies knappen Mittel, der Versichertenbeiträge, schauen.

Aber eine Reform des gesundheitspolitischen Instruments der Bewilligungspflicht für spezielle Medikamente, die die medizinische Qualitätshürde zwar genommen haben, nicht aber die legitime und notwendige Preishürde der Kassen, ist unbedingt notwendig. Sie muss aber viel mehr beinhalten, als nur den Patienten die Rennerei mit dem Rezept zu ersparen. Was also läge näher, als zu sagen, in Zukunft soll ein Arzt dem anderen, dem Chefarzt, ausdeutschen, warum er gerade die eine Arznei verschreiben will, ja aus den und den medizinischen Gründen nachgerade muss?! Allein, die Ärzte ohne "Chef" im Namen wollten nicht. Oder nur, wenn sie elf Euro für einmal Faxen zum Einholen der Bewilligung vom Chefarzt kassiert hätten.

Dabei müsste die Reform genau hier ansetzen: Wenn es nämlich gelingt, der Chefarztpflicht medizinischen Sinn zu verleihen, sie also für individuelle, schwierige Fälle und sorgfältig zugelassene Medikamente einzusetzen, dann führt an der Arzt- Arzt-Kommunikation kein Weg vorbei. Und diese genuin ärztliche Leistung muss dann auch honoriert werden. Und keiner wird ein Problem damit haben. Aber mit Faxen um überteuerte Faxe dürfen die Ärzte auf keine Sympathie hoffen. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.5.2004)