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André Glucksmann

Foto: APA/EPA/J.L. Pino
Na endlich herrscht Klarheit: Glucksmann darf nicht, Clinton konnte oder wollte nicht, es kommt jetzt also István Szabó. Worum geht’s? Ach ja, der Eröffnungsredner der Salzburger Festspiele - ihn einzuladen war eine schwere Geburt: Die Landeshauptfrau Gabi Burgstaller fand nämlich den von der Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler favorisierten und leider auch schon öffentlich avisierten französischen Philosophen André Glucksmann nicht für geeignet. Mit der vielleicht nicht unbegründeten Befürchtung, dass dieser etwa zu Krieg und Terror streitbare Positionen vertritt.

Angeblich wünschte sich Burgstaller den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Bei ihm könnte man sich vermutlich auch ausmalen, wie er sich zum Beispiel über Bushs gerechten Krieg äußern würde, und vielleicht verlangte der wiederum eine zu hohe Gage - aber letztlich ist das alles gar nicht das eigentliche Problem. Viel eher stellt sich die Frage, warum hier auf durchaus unübliche Weise ein zweifelsohne profilierter Intellektueller vorzeitig als Kandidat öffentlich genannt wird, um im Endeffekt sowohl ihn, die Landeshauptfrau, die für die Einladung des Eröffnungsredners traditionell verantwortlich ist, als auch die Festspiele, die sich Burgstallers Einspruch beugen mussten, öffentlich zu desavouieren.

Kurz: Ist der Fall "Eröffnungsredner 2004" nur ein Beispiel für eine außerordentlich ungeschickte Öffentlichkeitsarbeit der Festspiele? Oder bereitet er auf durchaus subtile, aber eingängige Weise einen weiteren potenziellen Konflikt zwischen der VP- nahen Rabl-Stadler und der Salzburger SP vor? Gut möglich, dass man sich sehr bald wieder nicht einig ist, wenn etwa der von VP-Granden als neuer Intendant lancierte Franz Welser-Möst zur Debatte steht: Besetzungs- als Parteipolitik. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.5.2004)