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Von einer Ertagslücke keine Spur: Post-Chef Anton Wais.

Foto: APA/ROBERT JAEGER
Wien - Die geheimen Verkaufs- und offiziellen Partnersuchpläne der Verstaatlichtenholding ÖIAG für die Österreichische Post AG hatten am Mittwoch ein Nachspiel.

Insbesondere die von ÖIAG-Vorstandssprecher und Postaufsichtsratspräsident Peter Michaelis Ende April im Industrieausschuss des Nationalrats verbreiteten schlechten Ertragsaussichten ließen - neben den Arbeitnehmervertretern - einige Kapitalvertreter nachfragen, wie schlecht die gelbe Post nun tatsächlich dastehe und ob sie ohne Partner im liberalisierten Briefmarkt ab 2007 überhaupt überleben könne.

Intensiv gesucht - aber nicht gefunden

Die von Michaelis prognostizierte Ergebnislücke von 260 Millionen Euro sei intensiv gesucht, aber nicht gefunden worden, erfuhr DER STANDARD nach der Sitzung aus Postkreisen. Wäre sie gefunden worden, käme dies einem Wunder gleich, meinte ein Aufsichtsratsmitglied.

Den Beweis lieferte die Post selbst: Der Gewinn (EGT) stieg im ersten Quartal auf 52,4 Mio. Euro. Im Vorjahresquartal waren es 7,1 Mio Euro gewesen. Die Umsatzerlöse stiegen von 368,0 auf 406,9 Mio. Euro.

Beide Kennziffern liegen deutlich über den Erwartungen wie das das Betriebsergebnis (Ebit), das bereits mehr als die Hälfte des budgetierten Jahres-Ebits von 75 Mio. Euro ausmacht. Es könnte heuer also auf 85 Mio. Euro steigen.

ÖIAG muss Imageschaden repariert

Die Post-Kontrollore seien übereingekommen, dass die ÖIAG den entstandenen Imageschaden repariert werden müsse. Wann und wie, blieb offen. Eine Möglichkeit wäre ein Brief an die Parlamentarier.

Bleibt die Frage nach den möglichen Auswirkungen der Aufweichung des Post-Monopols auf Briefe bis 50 Gramm und der Hausbrieffachanlagen für die private Konkurrenz. "Wenn der Post tatsächlich das Geschäft wegbricht, dann hilft auch die Deutsche Post nicht", sagte ein Kapitalvertreter.

"Es ist eine Illusion, dass Herr Zumwinkel (Chef der Deutschen Post, Anm.) dann Geld zuschießen wird." Außerdem seien vom Wettbewerb in den Ballungsräumen alle Postgesellschaften gleich betroffen. Da nütze es wenig, wenn sich die Deutschen in Wien einkauften. (DER STANDARD Printausgabe, 27.05.2004, Luise Ungerboeck)