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Verursachte Aufsehen, aber kein Umdenken: Die Demo gegen den Teilverkauf des Postbusses.

Foto: APA/Artinger
Wien - Mit dem seit Monaten feststehenden Teilverkauf der Österreichischen Postbus AG wird es ernst. Wie Eigentümervertreter, ÖBB-Vorstand Ferdinand Schmidt am Mittwoch erklärte, sollen "demnächst" die Gespräche mit den Interessenten aufgenommen werden.

Die Gewerkschaft läuft dagegen Sturm. Rund 100 Postbus-Mitarbeiter hatten den Sitzungssaal der Hauptversammlung (HV) gestürmt. Das Gremium ist darauf kurzer Hand in einen anderen Raum übersiedelt, hat aber dennoch einen für heute geplanten Verkaufsbeschluss vorerst vertagt.

Die Entscheidung sei jedoch ein Formalakt, tatsächlich habe der Privatisierungsprozess mit einem Aufsichtsratsbeschluss bereits Ende des Vorjahres begonnen, sagte Schmidt.

Sitzungssaal belagert

Knapp eine Stunde belagerten die Gewerkschafter und Postbus-Mitarbeiter den Sitzungssaal. Eine im Anschluss an die HV geplante Aufsichtsratssitzung wurde dadurch blockiert. In einer emotionalen Konfrontation mit ÖBB-Vorstand Schmidt und Postbus-Chefin Wilhelmine Goldmann warf die Gewerkschaft dem Management vor, Handlanger "politischer Willkür" zu sein.

"Kampflos lassen wir uns nicht verschleudern", hieß es auf einem im Sitzungsaal ausgerollten Transparent. "Kein ordentlicher Kaufmann würde sein bestes Geschäft verkaufen", meinte ein aufgebrachter Gewerkschafter.

Die Vorstände wiesen die Vorwürfe zurück. Goldmann räumte zwar ein, dass sie - wäre sie Eigentümerin des Postbusses - kein Drittel verkaufen würde. Die Belegschaft könne aber "ganz sicher sein, dass sie bei der Umsetzung der Teilprivatisierung auf das Wohl des Unternehmens achten" werde.

Schmidt, der nach wie vor hofft, dass es zu keinen neuen Streiks beim Postbus kommen wird, meinte: Der Eigentümer habe entschieden, in einem Rechtsstaat müsse man das akzeptieren.

Der ÖBB, die den Postbus im Vorjahr nur unter der Auflage des anschließenden Teilverkaufs übernehmen durfte, seien 70 Prozent des Postbusses immer noch lieber gewesen als gar kein Postbus.

Trotz der Teilprivatisierung werde aber durch die Fusion von Bahn- und Postbus ein Unternehmen entstehen, dass größer sein werde als der jetzige Postbus und dass daher "am Markt besser bestehen" werde, meint Schmidt.

"Man kann eine Zerstörung nicht schönreden"

Die Gewerkschaft blieb am Mittwoch dennoch bei ihrem Standpunkt. "Man kann eine Zerstörung nicht schönreden", meinte Wurm, der bereits mit weiteren Protesten bis hin zum Streik droht. Die heutige Konfrontation sei nur ein "Auftakt" gewesen, meint der Gewerkschafter.

Nach den umstrittenen Plänen soll ein Drittel des Postbusses in 32 Teilpaketen verkauft werden. Diese Teile sollen zunächst von zwei unabhängigen Gutachtern bewertet werden.

Danach sollen der Verkauf europaweit "bekannt gemacht" werden. Verkauft werden muss aber nicht an den Höchstbieter. Aus strategischen Gründen könnten auch bereits bestehende Konkurrenten und damit die heimischen Interessenten bevorzugt werden.

Ein Entwurf zu diesem Vorgehen soll dem Verkehrsministerium in Kürze vorgelegt werden. Gorbach hatte zuletzt eine österreichische Lösung für die Teilprivatisierung gefordert. Eine Arbeitsgruppe rund um Blaguss, Dr. Richard, die Welser Sabtours und 23 weitere heimische Busunternehmer hat bereits ihr Interesse an einer Teilprivatisierung angemeldet.

Blaguss kritisiert mögliche Versteigerungen

Blaguss-Chef Robert Blaguss kritisierte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz Pläne des Postbus-Vorstands, wonach entgegen der Vereinbarung einzelne Postbus-Teile doch noch versteigert werden könnten. Die interessierten Unternehmen seien bereit einen angemessenen Preis zu bezahlen.

"Wir zahlen zumindest genau so viel, wie die ÖBB bezahlt haben", betonte er. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) hatten im Mai 2002 den Postbus übernommen, kolportiert wurde ein Kaufpreis von 116 Mio. Euro. Mehrere Interessenten für ein Paket schließt Blaguss aus. Man habe in der ARGE strikte Regeln vereinbart, wer für welches Paket bieten dürfe.

Auch die Proteste der Gewerkschaft kann Blaguss nicht nachvollziehen. Für die 400 Postbus-Mitarbeiter, die von der Teilprivatisierung betroffen seien, gebe es mehrere Modelle für den Wechsel zu den privaten Busbetreibern. (APA)