Arlon - Im Prozess gegen den mutmaßlichen belgischen Mädchenmörder Marc Dutroux hat die Anklage am Mittwoch mit ihren Plädoyers begonnen, die einige Tage in Anspruch nehmen werden.

Mit Spannung erwartet wurde, ob Staatsanwalt Michel Bourlet vor dem Schwurgericht in Arlon einen Schuldspruch gegen den mitangeklagten Michel Nihoul fordern würde, einem mutmaßlichen Mittelsmann zwischen Dutroux und einem Ring von Verbrechern, die Kinderprostitution betreiben.

Gemeinsame Pläne

Die Anwälte des überlebenden Opfers Laetitia Delhez untermauerten ihre These, wonach Dutroux und Nihoul gemeinsame Sache gemacht haben sollen. Anwalt Jan Fermon stellte die erste Begegnung zwischen Dutroux und dem zweifelhaften Geschäftsmann Nihoul 1994 als ein Schlüsselerlebnis dar, in dessen Folge beide einen internationalen Mädchenhandel aufbauen wollten.

Wohnmobil für Entführungen gekauft

Ziel sei gewesen, Mädchen aus Osteuropa zu entführen und in Belgien zur Prostitution zu zwingen. Dazu habe sich Dutroux ein Wohnmobil gekauft, das Kellerverlies in Marcinelle, einem Stadtteil von Charleroi, angelegt und in seinem zweiten Haus in Sars-la-Buissière Vorbereitungen zur Eröffnung eines Bordells getroffen.

"Von zwei Seiten aus hat man versucht, einen Menschenhandel aufzubauen, wo es wie auf dem Fleischmarkt zugeht", sagte Fermon. Nihoul ist angeklagt, an der Entführung der zum Tatzeitpunkt 14 Jahre alten Laetitia Delhez beteiligt gewesen zu sein.

Polizei in Charleroi deckte Dutroux

Am Dienstag hatten Fermon und der zweite Anwalt von Delhez, Georges-Henri Beauthier, in diesem Zusammenhang der Polizei schwere Vorwürfe gemacht. Nach Ansicht der Anwälte hatte die Polizei in Charleroi die Umtriebe von Dutroux gedeckt. Die meisten Nebenkläger hatten in ihren Plädoyers am Montag und Dienstag Schuldsprüche für alle vier Angeklagten beantragt.

Dutroux muss sich wegen Entführung und Vergewaltigung von sechs Mädchen verantworten, von denen vier starben. Angeklagt ist der 47-Jährige zudem des Mords an An und Eefje sowie an seinem Komplizen Bernard Weinstein. Die beiden anderen Todesopfer, Julie und Melissa, verhungerten im Kellerverlies in einem der Häuser von Dutroux.

Ein Urteil in dem seit Anfang März laufenden Prozess wird Mitte Juni erwartet. (AP, DER STANDARD Printausgabe 27.5.2004)