Wien - Auch wenn Aktienkurse vieler Firmen auf dem Gebiet der Informationstechnologie (IT) in den vergangenen Jahren auf Talfahrt waren, ist ein Ende des Booms noch lange nicht in Sicht. "Ganz im Gegenteil, jetzt geht es erst richtig los, eigentlich steckt die IT immer noch in den Kinderschuhen", erklärte Reinhard Goebl vom Infrastrukturministerium bei einer Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des neuen IT-Spitzenförderungsprogrammes "FIT-IT Semantic Systems". Die zweijährige Testphase wurde beendet und das Programm ist ab 2004 mit 8,5 Mio. Euro ausgestattet.

Verbesserte Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen

"Semantic Systems" bedeutet, vereinfacht gesagt, Datenbanken im weitesten Sinne besser nutzbar zu machen. Abfragen an der Schnittstelle Maschine-Mensch einerseits oder die Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen sollen verbessert werden. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa das Internet. Interessiert sich jemand für die Automarke "Jaguar" und tippt dies in eine Suchmaschine ein, so bekommt er auch jede Menge Internet-Seiten geliefert, die sich mit der vierbeinigen Raubkatze gleichen Namens beschäftigen.

Ein semantisches System würde dagegen wissen, dass "Jaguar" verschiedene Bedeutungen hat und entsprechend beim User nachfragen, wofür man sich interessiert, erklärte Jürgen Angele von der deutschen Firma "ontoprise GmbH", ein Spin-off der Universität Karlsruhe. Die derzeit verwendeten Systeme und Sprachen "html" oder "xml" geben zwar die Zeichenkette wider, verstehen aber die Inhalte nicht.

High-Tech-Einsatz

Aber auch im High-Tech-Bereich selbst werden die verstehenden Helfer immer dringender nötig. So arbeitet Angele mit seiner Firma für den Automobilhersteller "Audi" an der Koordination der immer vielfältiger und komplizierter werdenden elektrischen und elektronischen Systeme in Autos. "Es kommt immer öfter vor, dass die verschiedenen Hersteller ihre bestausgestatteten Spitzenmodelle auf Grund verschiedener Systeme gar nicht mehr zum Laufen bringen", berichtete der Experte. Und wenn die Dutzende Systeme dann endlich zusammenpassen, gibt es spätestens bei einer Reparatur, wenn ein Modul ausgetauscht wird, Probleme. Hier sollen intelligente Systeme den Überblick bewahren.

Generell sehen die Experten auf dem Gebiet der "Semantic Systems" gute Chancen für Europa - und auch für Österreich -, bei der Softwareentwicklung in der Vergangenheit gegenüber den USA verlorenes Terrain gut zu machen. Für die intelligenten, semantischen Systeme sei nämlich noch eine Menge Grundlagenforschung nötig und da würde die EU derzeit mehr Geld investieren als die Vereinigten Staaten. (APA)