Brüssel/Mexiko/Wien - Amnesty international (ai) hat die Europäische Union aufgefordert, auf dem dritten EU-Lateinamerikagipfel im mexikanischen Guadalajara am Freitag das Thema Menschenrechte zur Sprache zu bringen. In mehreren Ländern des lateinamerikanischen Kontinents gebe es andauernde Menschenrechtsverletzungen, erklärte die Organisation. Amnesty forderte die irische EU-Ratspräsidentschaft auf, für die Erwähnung des Schutzes von Menschenrechtsaktivisten in dem Schlussdokument des eintägigen Gipfeltreffens Sorge zu tragen.

Auch bei den bilateralen Gesprächen mit Mexiko und Kolumbien seien die Menschenrechte von vorrangiger Bedeutung, erklärte ai weiter. Die Menschenrechtssituation im Gastgeberland Mexiko sei bedenklich. Umso bedauerlicher sei es, dass das Thema nicht auf der Tagesordnung der Gespräche zwischen der irischen EU-Ratspräsidentschaft und dem mexikanischen Staatschef Vicente Fox stehe.

Erstmals seit der EU-Erweiterung treten die 25 EU-Partner am Freitag in hochrangiger Besetzung international gemeinsam in Erscheinung: Beim 3. EU-Lateinamerika-Gipfel in Guadalajara werden die Staats- bzw. Regierungschefs der 25 mit ihren 33 Amtskollegen aus Lateinamerika und der Karibik über eine Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit beraten. Österreich ist durch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Außenministerin Benita Fererro-Waldner (beide V) vertreten. Dem zweitägigen Gipfeltreffen ist am Donnerstag eine Konferenz der Außenminister vorgeschaltet.

EU will Handelsabkommen mit südamerikaischen Staaten bis Oktober Bis Oktober soll ein Abkommen zwischen der Union und dem Mercosur (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay) finalisiert sein. Darin kamen Vertreter beider Seiten am Donnerstag überein.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz zeigten sich die EU-Kommissare Pascal Lamy (Handel) und Franz Fischler (Agrar) sowie Brasiliens Außenminister Celso Amorim und Argentiniens Wirtschaftsminister Roberto Lavagna optimistisch. "Wir können ein ausgeglichenen Abkommen bis Oktober 2004 erreichen", sagte Lavagna. Dem Mercosur gehören außer Brasilien und Argentinien Uruguay und Paraguay an.

Fox für Reform der UNO

Im Vorfeld des Gipfels hat sich der mexikanische Präsident Vicente Fox für eine Reform der Vereinten Nationen ausgesprochen. "Wir müssen dem Unilateralismus ein Ende setzen", sagte Fox der "Berliner Zeitung" (Freitagsaugabe). Es habe sich gezeigt, dass so "keine Konflikte gelöst werden können." In Guadalajara wolle er deshalb auch über die Reform der UNO reden, damit sie effizienter und aktiver arbeiten könne.

Fox äußerte sich optimistisch über die Beziehungen seines Landes zu Europa. Sein Land sei eine "Entwicklungsbrücke zwischen den beiden größten Märkten der Welt, Nordamerika und der Europäischen Union". Obwohl Mexikos Wirtschaft seit drei Jahren "faktisch stagniert, ist der Handelsaustausch mit Europa um rund 25 Prozent gestiegen". Zudem seien die Investitionen in der Zeit deutlich gewachsen. "Für uns ist es ein strategisches Ziel, die Zusammenarbeit mit Europa zu stärken", sagte Fox.

Fox setzt vor allem auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland." Es gibt viele deutsche Konzerne, die groß bei uns investiert haben, und es gibt inzwischen mexikanische Unternehmen, die in Deutschland investieren." Das wolle er noch steigern, sagte Fox.

Die Verhandlungen laufen bereits seit vier Jahren und waren zuletzt nur mühsam vorangekommen. Eine strategische Partnerschaft und eine für beide Seiten vorteilhafte Liberalisierung des Handels wurden bei den Gipfeln in Rio (1999) und in Madrid (2002) als Ziele formuliert. Zentrales Thema in Guadalajara wird der Freihandel sein. Schüssel wird in Mexiko eine Einladung zum darauffolgenden EU-LA-Gipfel aussprechen, der 2006 unter Österreichs EU-Präsidentschaft in Österreich abgehalten wird. (APA/dpa)