Hannover - Der Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, hat dem Direktor des Berliner Museums Hamburger Bahnhof, Eugen Blume, Verharmlosung des Holocausts vorgeworfen. Fürst verlangte in einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben an den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Ablösung Blumes als Museumsleiter und als Kurator der umstrittenen Kunstausstellung von Friedrich Christian Flick.

Die Äußerung Blumes zu der Flick-Ausstellung, Kunst setze sich "über episodenhafte Ereignisse der Geschichte hinweg", sei empörend und entlarvend zugleich, heißt es in dem am Mittwoch verfassten Brief. Wer das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, den Holocaust und die Toten des Zweiten Weltkriegs, als Episode verharmlose, disqualifiziere sich selbst als Leiter eines hohen öffentlichen Amtes und dürfe kein staatliches Museum repräsentieren.

Schwere Vorwürfe

Laut Fürst, der auch dem Direktorium des Zentralrats der Juden angehört, werden in der Äußerung Blumes "erschreckende historische Defizite und ein Mangel an Demokratieverständnis offenkundig". Der Kurator ignoriere "tief sitzende Wunden der Überlebenden des Nazi-Terrors", und "er verhöhnt Millionen Opfer der Gewalt".

Durch seine Parteinahme für die schon im Vorfeld umstrittene Flick-Ausstellung habe Blume auch seine beamtenrechtlichen Neutralitätspflichten verletzt, schrieb Fürst weiter. Er rief den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf, dienstrechtliche Schritte gegen den Museumsleiter einzuleiten und ihn sofort von seinen Aufgaben als Chefkurator der Flick-Ausstellung zu entbinden. (APA/AP)