Eisenstadt - Etwa 25 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen müssen damit rechnen, bei Erreichen des 85. Lebensjahres einen Schlaganfall zu erleiden. In Hinblick auf die zunehmende Überalterung der Bevölkerung sowie der Tatsache, dass die Schlaganfall-Häufigkeit ab dem 55. Lebensjahr nahezu explosionsartig steigt, ist es entscheidend, neben vorbeugenden Maßnahmen und einer vermehrten Aufklärung der Bevölkerung die neuen Möglichkeiten zur Akutbehandlung dieser neuen "Volkskrankheit" in den Vordergrund zu stellen. Das erläuterten am Freitag Experten bei einer Pressekonferenz anlässlich einem internationalen Ärztekongress zum Thema Schlaganfall (BrainDays 2004), der in Pamhagen im Seewinkel stattfindet.

"Die größten Erfolge können bereits durch Änderungen eines ungesunden Lebensstils und die Behandlung der wichtigsten Schlaganfall-Risikofaktoren erzielt werden", meinte Prof. Dr. Wilfried Lang, Leiter der neurologischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. Mehr Bewegung, weniger Nikotin und Alkohol sowie eine Gewichtsreduktion stehen hier an vorderster Stelle. Insgesamt könnte durch die Kombination verschiedenster präventiver Maßnahmen das Schlaganfall-Risiko um die Hälfte reduziert werden.

Bluthochdruck

Einen besonderen Stellenwert nimmt hier der Bluthochdruck ein: "Ein erhöhter Blutdruck steigert das Schlaganfallrisiko auf das zwei- bis vierfachfache", erklärte Prof. Dr. Bernd Eber von der Internen Abteilung am Krankenhaus Wels. Andererseits könne man durch eine neue Generation von Blutdruckmedikamenten, den Angiotensin-Rezeptor-Blockern, das Schlaganfallrisiko um 25 Prozent reduzieren. Dies würde bedeuten, dass alleine in Österreich durch diese neuen Medikamente über 3.000 Schlaganfälle verhindert werden könnten.

Die Experten betonten, dass sowohl in der Ursachenforschung dieser Erkrankung wie auch bei den Behandlungsmöglichkeiten von Schlaganfall-Patienten in den vergangenen Jahren ein dramatischer Fortschritt stattgefunden habe. Obwohl bisher bereits viel erreicht wurde, besteht gerade im Burgenland diesbezüglich noch ein besonderer Aufholbedarf.

Lokale Situation

"Leider fehlt es im Burgenland nach wie vor an spezialisierten Schlaganfall-Einrichtungen wie auch an wichtigen Rehabilitationsmöglichkeiten, die für Betroffene den Weg zurück in ein normales Leben ermöglichen sollen", meinten die wissenschaftlichen Leiter der BrainDays, Dr. Andreas Winkler vom Neurologischen Zentrum der Baumgartner Höhe in Wien und Prof. Dr. Willibald Gerschlager, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien.

Umso wichtiger sei es, dass Ärzte, Ärztekammern und Fachgesellschaften gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen einen Schulterschluss durchführen und in naher Zukunft dafür Sorge tragen, dass auch das Burgenland den Standard, der in Österreich sonst bereits verwirklicht wurde, erreiche.

Ab Herbst soll es im Burgenland eine umfassende Informationskampagne zum Thema Schlaganfall geben, bei der sowohl Ärzte als auch die Bevölkerung über das brennende Thema Schlaganfall informiert werden sollen, erklärten der Burgenländische Gesundheitslandesrat Peter Rezar gemeinsam mit dem Burgenländischen Ärztekammerpräsidenten Dr. Walther Helperstorfer. (APA)