Bild nicht mehr verfügbar.

Iyad Alawi werden langjährige Beziehungen zum US-Geheimdienst CIA nachgesagt.

Foto: Reuters/Zainal Abd Halim
Bagdad - Der von den USA eingesetzte provisorische irakische Regierungsrat hat den ehemaligen Oppositionsführer Iyad Alawi für das Amt des Ministerpräsidenten nominiert - und auch die USA haben es mittlerweise bestätigt: "Alawi wird Ministerpräsident", so ein US-Sprecher in einer Pressekonferenz am Freitag.

Der schiitische Mediziner soll nach der Machtübergabe am 30. Juni die Übergangsregierung führen. Die Entscheidung für Alawi sei in einer Sondersitzung des Regierungsrates einstimmig gefallen, teilte Ratsmitglied Mahmud Othman am Freitag mit.

US-Außenminister Colin Powell regierte vorsichtig auf die Entscheidung: Er sagte in Washington, die USA arbeiteten mit dem Irak-Beauftragten der UN, Lakhdar Brahimi, zusammen und warteten auf dessen Bericht. Er freue sich, dass Alawi solche Unterstützung genieße.

Hintergrund für Alawis Ernennung sei die prekäre Sicherheitslage, sagte Othman. "Dr. Alawi ist im Rat seit dessen Einsetzung für Sicherheitsfragen zuständig gewesen. Er ist der beste verfügbare Kandidat." Das Auswahlverfahren folge den Empfehlungen des UN-Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi, sagte Mustafa el Marajati, ein Mitarbeiter von Ratsmitglied Radja Habib el Chusaai.

Die UNO gab sich allerdings zurückhaltend bis verärgert: Fred Eckhard, der Sprecher von UN-Generalsekretär Kofi Annan, hatte zunächst darauf bestanden, dass das Votum des Regierungsrates von den UN lediglich "respektiert" werde. Die Nominierung Alawis sei "eine irakische Auswahl". Später sagte der UN-Sprecher, Brahimi weise darauf hin, dass er "zwischen respektieren und begrüßen keine Diskrepanz" sehe. UN-Diplomaten werteten das Hin und Her bei der Formulierung als "Ausdruck der Verärgerung" über das Vorgehen des Regierungsrates.

CIA-Verbindungen

Alawi war einst Mitglied der Baath-Partei, bis er in den 70er Jahren mit Saddam Hussein brach und ins Exil ging. Der Mediziner und schiitische Muslim ist Vorsitzender der Partei Irakischer Nationaler Konsens und präsentiert sich gern als "starker Mann" des Regierungsrates. 1990 gründete er im Exil mit anderen Dissidenten die Gruppierung Irakischer Nationalpakt (Iraqi National Accord), die von der CIA und dem britischen Geheimdienst unterstützt wurde.

Alawi ist mit Ahmad Chalabi verwandt, der früher als Wunschkandidat der USA für die Führung des Irak nach dem Sturz Saddam Husseins galt. Ein weiterer Verwandter von ihm, Ali Alawi, war kürzlich als Verteidigungsminister im Gespräch.

Regierung soll am Montag stehen

Bei der Sondersitzung des Regierungsrates, in deren Verlauf des weiteren ein Präsident und zwei Vizepräsidenten nominiert werden sollten, war US-Zivilverwalter Paul Bremer anwesend. Später nahm auch Brahimi an dem Treffen teil. Der komplette Vorschlag für die Zusammensetzung der irakischen Übergangsregierung sollte am Montag bekannt gegeben werden.

Alawis Vorgänger Abdul Zahra Othman Mohammad, besser bekannt unter dem Namen Ezzedin Salim, war am 17. Mai bei einem Anschlag getötet worden. (APA/AP)