Salzburg - In der Schmiergeldaffäre um den Bau des Münchner Fußballstadions, in die auch die Salzburger Baufirma Alpine verwickelt sein soll, gibt es einen Haftbefehl gegen Alpine-Geschäftsführer Dietmar Aluta-Oltyan. Der Haftbefehl ist momentan "außer Vollzug" gesetzt, wie der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler am Freitagmittag in einem ORF-Interview bestätigte.

Ermittlungen dauern noch an

"Es ist richtig, die Staatsanwaltschaft hatte einen Haftbefehl beim Amtsgericht München beantragt. Dieser wurde auch erlassen und zwischenzeitlich außer Vollzug gesetzt. Das heißt, er wird derzeit nicht vollstreckt. Unter Auflagen wurde er außer Vollzug gesetzt. Unter anderem musste Herr Aluta eine Sicherheitsleistung oder Bürgschaft erbringen. Des weiteren hat er Ladungen von Polizei oder Staatsanwaltschaft Folge zu leisten. Herr Aluta kann sich also frei bewegen und hat keine Sorge, dass der Haftbefehl vollstreckt wird - sollte er einmal nach Deutschland kommen", so Winkler im ORF.

Aluta sei aber noch nicht von der Münchner Anklagebehörde vorgeladen worden, ergänzte Staatsanwalt Winkler. Denn noch seien die Ermittlungen nicht soweit, dass man konkrete Fragen an den Alpine-Geschäftsführer habe.

Korruptionsvorwürfe bleiben bestehen

Die Korruptionsvorwürfe gegen Aluta-Oltyan blieben bestehen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München I, Anton Winkler, am Freitag in München. Der Haftbefehl war im März gegen den Alpine-Chef erlassen worden. Aluta-Oltyan wird verdächtigt, 2,8 Millionen Euro Schmiergeld über Umwege an den früheren Gesellschafter der Münchener Stadionbaugesellschaft, Karl-Heinz Wildmoser junior gezahlt zu haben, um den Zuschlag für das 280-Millionen-Euro-Projekt zu erhalten.

Aluta-Oltyan hatte die Zahlung von 1,4 Millionen Euro eingeräumt, die er als "Agreement Fee" bezeichnete. Nach Medienberichten soll Wildmoser ausgesagt haben, vertrauliche Informationen über Alpines Hauptkonkurrentin, der Neumarkter Bögl-Bau, an Aluta-Oltyan gegeben zu haben.

Bankbürgschaft

Gegen Stellung einer Bankbürgerschaft sei der Haftbefehl gegen Aluta-Oltyan in der vorletzten Woche außer Vollzug gesetzt worden, teilte Winkler mit. Alutas Anwälte hätten eine Stellungnahme angekündigt, die aber noch nicht eingegangen sei. Wenn sie vorliege, wolle man mit dem Chef des Baukonzerns auch persönlich sprechen.

Inzwischen haben die Anwälte des seit Bekanntwerden der Korruptionsaffäre in Untersuchungshaft sitzenden Wildmoser junior Haftbeschwerde eingereicht. Die zuständige Ermittlungsrichterin habe darüber noch nicht entschieden, teilte Winkler mit. Die Staatsanwaltschaft München wendet sich gegen die Außervollzugsetzung des Haftbefehls gegen Wildmoser, weil weiterhin Fluchtgefahr bestehe. Voraussichtlich im Herbst soll die Anklage gegen den Sohn des früheren TSV 1860-Präsidenten gleichen Namens fertig gestellt sein. (APA)