Standard: Sie lassen sich landesweit als Anwalt Kärntens plakatieren. Was sagen Sie als Rechtsanwalt zu Haiders Ansinnen, dem SP-Kandidaten Swoboda sein passives Wahlrecht abzusprechen?

Grossmann: Ich würde solche Äußerungen im Wahlkampf nicht überbewerten. So hat die SPÖ vor der Landtagswahl auch gesagt, sie werde Haider nicht zum Landeshauptmann wählen. Politiker müssen etwas aushalten. Das ist eine politische Antwort. Ich bin nicht der FP-Anwalt und auch kein Richter. Persönlich würde ich niemandem das Wahlrecht absprechen, aber Swobodas Verhalten ist empörend. Natürlich ist auch seine Empörung berechtigt, aber im Wahlkampf soll man nicht so empfindlich sein.

Standard: Haider sprach von Landesverrat. Sind Sie da nicht hellhörig? Ihnen als ehemaligen SP-Landessekretär wirft Ihre frühere Partei auch Verrat vor.

Grossmann: Das ist auch nicht fein. Wenn Ambrozy fünf Tage nach der Landtagswahl entgegen den Wahlkampfaussagen mit Haider bei Chianti die Koalition begießt, muss ich fragen: Wer hat da wen verraten? Nicht ich hab die Partei verlassen, die Partei hat mich verlassen, weil ich jahrelang die Wahrheit gesagt habe. Heide Schmidt. Karl-Heinz Grasser und selbst Winston Churchill haben auch ihre Fraktionen verlassen. Warum bin also ich deswegen ein Bad Guy? Ich bin nicht FPÖ-Mitglied, sondern unabhängig.

Standard: Als SP-Sekretär waren Sie ein Haider-Jäger, jetzt sind Sie sein Wunschkandidat. Haben Sie kein Abgrenzungsproblem?

Grossmann: Ich habe mich nie als Jäger gesehen, sondern als Gegner. Nun werde ich offiziell von der FPÖ als EU-Kandidat getragen. Wenn die mir das zutrauen, freut mich das. Abgrenzungsfragen stellen sich nicht, weil ich ein unabhängiger Kandidat bin.

Standard: Sie haben seinerzeit bei Haiders Abwahl als Landeshauptmann nach seinem Spruch zur "Beschäftigungspolitik im Dritten Reich" die Fäden gezogen. Wie passt das zusammen?

Grossmann: Ich hab’ den Antrag nicht eingebracht. (Anm.: der Standard legt den damaligen Abwahlantrag vor, der Grossmanns Unterschrift trägt.) Ja, da hab’ ich mit unterschrieben. Das ist aus damaliger Sicht auch nachvollziehbar. Haiders Äußerung gefällt mir nach wie vor nicht, aber inzwischen hat der Souverän, der Wähler, mehrfach gesprochen und anders entschieden. Außerdem haben wir ein verzeihendes Rechtssystem. Der Ausspruch war eine lässliche Sünde, die Abwahl war die Strafe und bedeutete für Haider bittere Stunden. Jetzt ist sie gesühnt und Geschichte.

Standard: Wie haben Sie denn der SPÖ Ihren Austritt kommuniziert?

Grossmann: Ich bin nicht ausgetreten, sondern ausgetreten worden. Man hat meine Beiträge nicht kassiert und dann den Ausschluss über die Presse mitgeteilt. Ich fühle mich nicht mehr als Sozialdemokrat, sondern frei von jedem Parteizwang, und kann etwas bewegen. Ich bin Lobbyist für Kärnten und habe mit offizieller Parteipolitik nichts zu tun. Ich bin bloß Mitglied des Alpenvereins. (vec/DER STANDARD, Printausgabe, 29.5.2004)