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Ulrike Baumgartner-Gabitzer - die stille Reserve des Bundeskanzlers.

Foto: APA/Roland Schlager
Das Gegenbild zur in bürgerlichen Kreisen verachteten "linken Emanze" ist nur scheinbar das Hausmütterchen – viel lieber wird auf Frauen wie die Verfassungssprecherin der Volkspartei hingewiesen. Bürgerlich durch und durch, fleißig und so kompetent, dass man nicht extra darauf hinweisen muss, wie viel Wissen und Erfahrung sie hat. Ulrike Baumgartner-Gabitzer hat in den letzten zehn Tagen ihr Meisterstück geliefert: Eine – in den letzten Jahren äußerst selten gewordene – Vier-Parteien-Einigung auf ein Verfassungsgesetz, bei dem sich alle als Sieger fühlen durften.

Dass sie selber die eigentliche Siegerin ist, das würde sie von sich wohl nie behaupten. Nicht einmal am Donnerstag hat sie das getan, dem Tag, an dem das Tierschutzgesetz beschlossen worden ist. Da hat sie viel öfter "wir" als "ich" gesagt, hat still gefeiert und alle anderen ihren Anteil am Erfolg beanspruchen lassen: Erfolgreiche Verhandlungen sind eben nur dann erfolgreich, wenn jeder mit einem Erfolgserlebnis heimgeht: "Wir haben es uns in den Verhandlungen nicht leicht gemacht. Von jetzt an können wir auf diesem Grundkonsens aufbauen, ohne dass wir ein ander in Zeitungen oder anderen Diskussionen ständig vorwerfen, wer schlechter und besser ist." Die "eigenen" Bauernbund-Vertreter in den Grundkonsens einzubinden, dürfte der schwierigste Teil der Arbeit gewesen sein.

Geschick, zu moderieren

Dieses Geschick, einen Konflikt zu moderieren, ist bereits aufgefallen, als Frau Baumgartner als junge Juristin 1984 ins damals von Norbert Steger geführte Handelsministerium eingetreten ist. Als die rot-blaue Koalition zweieinhalb Jahre später zerbrach, holte Minister Robert Graf sie in sein Kabinett. Bei Nachfolger Wolfgang Schüssel war sie Kabinettschefin, wechselte dann als Geschäftsführerin in den Verband der E-Werke, kam 1995 bis 1997 zurück zu Schüssel, als dieser Vizekanzler und Außenminister war, und bekam 1999 ein Nationalratsmandat.

Sie übt es mit der gleichen persönlichen Zurückhaltung aus, mit der sie früher für ihren Chef Wolfgang Schüssel gearbeitet hat – dem auch jetzt in der Kronen Zeitung nachgesagt wurde, dass er sich beim Tierschutz durchgesetzt habe.

Der Dank

Der Dank für die eigentliche Verhandlerin besteht darin, dass sie mehr denn je als stille, unverbrauchte Personalreserve der ÖVP ausgewiesen ist. Eine Diskussion um eine von ihr und ihrem selten öffentlich auftretenden Ehemann renovierte Substandardwohnung, die dann um 90.000 Euro von der Bundesimmobiliengesellschaft gekauft wurde, konnte ihr bei dieser Einschätzung nicht wirklich schaden.

Dass sie bei all dem nie kämpferisch-emanzipiert wirkt, wiegt sie mit einem Lächeln auf und stellt die Frage in den Raum: "Sind nur forsch auftretende Frauen gute Politikerinnen?" (DER STANDARD, Printausgabe 29./30./31.5.2004)