Der von den USA im Sommer 2003 eingesetzte irakische Regierungsrat wird de iure ab Juli der Vergangenheit angehören, de facto aber unter anderem Namen weiterregieren. Das zeichnet sich nach der Nominierung von Ratsmitglied Iyad Allawi für das Amt des Ministerpräsidenten ab, auch Präsident und Vizepräsidenten werden ja höchstwahrscheinlich aus den Reihen des Rates stammen.

Am Schluss fand dann leider doch noch das gefürchtete Gerangel der Exiliraker um die hohen Posten statt - nur der als einer der beiden Vizepräsidenten genannte Kurde Jalal Talabani war unter Saddam Hussein nicht im Ausland. Und von der reinen Technokratenregierung, die sich der UNO-Sonderbeauftragte Lakhdar Brahimi eigentlich gewünscht hatte, ward nichts mehr gehört. Allerdings auch nichts von einem Posten für den Pentagon-Liebling Ahmed Chalabi, den die sonst recht nüchterne Neue Zürcher Zeitung jüngst mit einem Artikel folgenden Titels bedachte: "Eine Laus wechselt ihren Pelz."

Die Iraker werden ihre neue Regierung wohl nicht mit großem Enthusiasmus aufnehmen: Der Name Iyad Allawi wird allgemein nicht ausgesprochen, ohne an die CIA-Unterstützung zu erinnern, derer er sich über Jahre erfreute - das ist zwar a priori nichts Böses, hat aber momentan im Irak einen ganz besonders schlechten Klang. Und der Regierungsrat als Institution hat sich solcher Idiotien wie der - durch keine Verfassung gedeckten - Kreation der neuen irakischen Flagge schuldig gemacht. Übrigens auch einer (später zurückgenommenen) Islamisierung des Familienrechts per Dekret, bei der den vielen irakischen Säkularen Schauer über den Rücken laufen. Aber nachdem alle ehrgeizigeren Wünsche für eine Regierung gescheitert sind, ist er nun einmal da, der Rat, und seine Mitglieder haben größere und kleinere Gefolgschaften, ohne deren Konsens der Irak wahrscheinlich wirklich schwer zu regieren sein wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30./31.5.2004)