Bild nicht mehr verfügbar.

Weinkeller in Zypern

Foto: apa/epa/Katia Christodoulou
Ob Xinisteri rot oder weiß ist, könnte man anhand der Rubrik in der Speisekarte feststellen. Traminec ist durchaus als Traminer zu identifizieren. Nur Cabernet Sauvignon würde wohl auch am Nordpol Cabernet heißen. Weine aus der Slowakei, aus Ungarn, Slowenien und Zypern im Standard-Test. Von Luzia Schrampf.


In jedem Fall sind sie eine Bereicherung - selbst wenn sich manche der Weinstile einem Österreich-sozialisierten Weinfan nicht gleich erschließen oder man etwas Übung braucht, um einige der Rebsorten oder Regionen gekonnt über die Lippen zu bringen. Ungarn und Slowenien verfügen über eine spannende, lebhafte und experimentierfreudige Weinszene. In der Slowakei steht man eher noch am Beginn, aber die Möglichkeiten werden in einzelnen Projekten bereits angedeutet. In Zypern versucht man, durch Rückzug in höher gelegene Gebiete und Investitionen in die Kellertechnik, vom üblichen marmeladig-oxidativen Weinstil wegzukommen.

Für diesen Test wurden stille Weiß- und Rotweine (keine Süßweine) aus vier von sechs neuen Weinbau treibenden EU-Länder zusammengetragen. Ausgewählt wurden höhere Qualitäten oder regionaltypische Weine. Bedauerlicherweise nicht paritätisch in der Zahl, was auf de Besorgungslogistik zurückzuführen ist. Aus Tschechien und Malta war in den drei Wochen des Sammelns nichts zu bekommen. Die Weine wurden blind in der angeführten Reihenfolge verkostet. Die Länder, aus denen sie stammen könnten, waren bekannt. Österreichisch-ausländische Kooperationen wurden weitgehend ausgespart, da diese bereits relativ bekannt sind. Ausnahme: ein Wein von Dveri Pax, der - weil neu gesichtet - spontan ins Sample genommen wurde. Im Zuge der Verkostung wurde auch die Frage aufgeworfen, ob manche der Weine vielleicht höher bewertet würden, wäre die Herkunft völlig unbekannt.

1. White Dry 2003, Produzent Tsiakkas, Zypern, 11,5 % Alk., Preis unter 7 €
Der Wein kommt aus der Region Pitsilia in den südlichen Ausläufern des Troodos-Gebirge. Einige der Tsiakkas-Weingärten liegen auf 1300 Meter Meereshöhe. Aus Xinisteri, einer der Hoffnungsträger-Rebsorten der Insel, entsteht auch der süße und relativ bekannte Commanderia. White Dry 2003 ist aber trocken und wurde als pfeffrig, mit leichtem "Stinkerl" beschrieben, an Katzenpisse erinnernd (eine Geruchskomponente, die z.B. Sauvignon Blanc aufweisen kann). Insgesamt wirkte er harmonisch und charaktervoll, wenn auch kurz und nicht gerade mit spritziger Lebhaftigkeit gesegnet. Keiner der Tester ordnete den Wein Zypern zu.
2,8 Punkte

2. Sivi Pivot (Grauburgunder) 2003, Tilia, Slowenien, 12,7 %, Preis 9,5 €
Die Winzer Matiaz und Melita Lemut haben ihr Handwerk in den USA und in der Schweiz gelernt. Angesiedelt sind sie im Vipavatal, einer Region, in der die kalte Bora aus dem Norden im Winter recht heftig werden kann. Der Wein wurde sofort als "heimisch" und "irgendwie bekannt" bezeichnet mit aromatischem Bouquet, das entfernt an Riesling erinnert, mit harmonischer Säure, gute Balance.
5,4 Punkte

3. Château Belá Riesling, Egon Müller, Slowakei, 13 %, Preis 14,90 € (Wein & Co)
Egon Müller, deutscher Spitzenwinzer aus dem Mosel-Saar-Ruwer-Gebiet, erzeugt in der südlichen Slowakei in einem Joint Venture Riesling. Die deutliche Restsüße verweist unverkennbar auf den deutschen Riesling-Stil, der in Österreich nicht leicht ankommt. Im STANDARD-Test: Geruch "Marzipan" und Senf, süß-säuerlich, bis zu "schöne Riesling-Frucht nach Pfirsich". Im Geschmack von "in Summe zu zuckrig", Limonadenton bis hin zu "balanciert" und sehr typisch.
2,5 Punkte

4. Traminec 2000 (Traminer), Valdhuber, Slowenien, 12,5 %
Die Weingärten der Valdhuber-Brüder liegen quasi in direkter, aber grenzüberschreitender Nachbarschaft zu den bekannten Lagen der Südsteiermark. Eleganter Prototyp seiner Rebsorte mit einem Traminer-Rosenduft "wie er sein soll", aber auch etwas "ins Muskatellerartige lappend" und "angenehm leicht zu trinken".
6,4 Punkte

5. Sauvignon Blanc 2003, Dveri Pax, Slowenien, 12,5 %, Preis: 9,99 € (Wein & Co)
Das Weingut gehört zum Stift Admont und ist auf drei Standorte verteilt: den bekannten Weinort Jeruzalem, einige Flächen in der Nähe von Bad Radkersburg und schließlich auf den Jaringhof bei Maribor, von wo auch dieser Wein stammt, der begeisterte. Der Wein wurde als harmonisch, intensiv und mineralisch bezeichnet, mit "Katzenpisse-Andeutung", gekonnt gemacht, internationales Niveau, Eleganz und Harmonie.
7,6 Punkte

6. Teran 2003, Boris Lisjak, Slowenien, 12 %
Leichter, wenig farbintensiver Rotwein, in Norditalien unter Refosco bekannt. Er steht für einen Stil, der hierzulande recht kontrovers aufgenommen wird. Ebenso unterschiedlich auch die Reaktionen der Tester: erinnert im Geruch an leichten Zweigelt, dezent rauchig, ansprechende Frucht, ein "Schnüffelwein". Im Geschmack dafür dünn und säuerlich aber auch als "leichter Rotwein, sehr o.k. zu gewissen Speisen.
2,3 Punkte

7. Cabernet Sauvignon 2001, Tsiakkas, Zypern
Kommentar: "Es barriquet und es kirscht", was bei zwölf Monate Reife in französischer Eiche schon erklärbar ist. Beerig-vanillig, mittelkräftig, "macht Freude", harmonisch und wird, geht man von dem vielen und feinen Tannin aus, "einmal nett".
5,5 Punkte

8. Quela Riserva 2000 (Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet franc), Klinec, Slowenien
Der Wein stammt aus dem Görzer Hügelland. Die Brüder Ales und Urus Klinec experimentieren mit Barriquefässern aus Akazien oder Maulbeerbäumen. Quela hat z.B. eine längere Kirschfasslagerung hinter sich und wird als jung, leicht fruchtig bzw. als "nicht unbalanciert", von anderen hingegen als unharmonisch empfunden. Gestört hat im Geschmack vor allem ein leicht süßliches, an Apfelbalsamicoessig erinnerndes Aroma. Wurde aber auch als "missfällt nicht" und eigentlich in sich stimmig beschrieben.
3,1 Punkte

9. Cabernet Sauvignon Barrique 2000, Attila Gere, Ungarn, Preis ca 28 € Attila Gere aus dem südungarischen Rotwein-Wundergebiet Villány zählt seit längerem zur Crème der ungarischen Weinmacher. In Österreich wurde er durch eine Kooperation mit dem Horitschoner Winzer Franz Weninger bekannt. Villány hat einen hervorragenden Ruf für hochqualitative Rotweine, die aber in der Zwischenzeit auch ihren Preis haben. Ein Qualitätsschub kam mit dem Jahrgang 2000. Bei diesem Wein ist der "Einsatz von Barrique zu Beginn deutlich zu spüren". Intensive Aromen von reifen dunklen Beeren drängen mit der Zeit nach. Ausgereift, harmonisch, charmant und "erwachsen". Gutes Potenzial. 7,9 Punkte (DER STANDARD, ALBUM, Printausgabe vom 29./30./31.5.2004)