Eisenstadt - EU-Abg. Christa Prets (S) richtete am Freitag einen Offenen Brief an Minister Martin Bartenstein, beim EU-Rat am 1. und 2. Juni in Luxemburg die so genannte Unisex-Richtlinie, nach der das Geschlecht nicht mehr als Berechnungsgrundlage für unterschiedliche Versicherungsprämien heranzuziehen ist, zu unterstützen. "Ungerechtfertigt erhöhte Prämien auf Grund des Geschlechts sind diskriminierend", betonte Prets in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Frauenvorsitzender Gertrude Spieß und Frauen-LR Verena Dunst (S) am Freitag in Eisenstadt. Minister Bartenstein solle für die Gleichstellung von Frau im Mann im Dienstleistungsbereich eintreten.

Christa Prets hat als EU-Abgeordnete am Entwurf für die Richtlinie zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen federführend mitgearbeitet. Das Europaparlament hat sich am 30. März auch mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass Männer und Frauen in Zukunft die gleichen Versicherungsprämien zahlen.

Prämienverteuerung befürchtet

Das Argument der Versicherungswirtschaft, dass es mit einer Gleichstellung automatisch zu einer Prämienverteuerung kommen muss, lässt Prets nicht gelten. "Es geht um eine Umverteilung zwischen Mann und Frau", sagte sie. "Ich denke, dass eine Versicherung, die ein geschicktes Angebot an die Frauen macht, auch ein gutes Geschäft machen kann."

50 Prozent höhere Premien bei Privatkassen

Für die Familienpolitik der Bundesregierung sei es keine Auszeichnung, wenn Frauen bei privaten Krankenversicherungen bis zu 50 Prozent höhere Beiträge zahlen, um das "Risiko" einer Schwangerschaft abzudecken, meinte Prets. Eine Frau sei nicht allein Verursacherin einer Schwangerschaft, daher müsse die Solidarität der Männer eingefordert werden. Einerseits beklage man niedrigen Geburtenraten, andererseits würden Frauen fürs Kinderkriegen finanziell bestraft.

Schweigen der Frauenministerin

"Bartenstein muss Position beziehen", forderte Prets, die vom Minister erwartet, dass er für die Richtlinie stimmt und ein Signal für die Frauen setzt. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang Frauenministerin Maria Rauch-Kallat. Die Ministerin solle endlich den Mund aufmachen, meinte SPÖ-Frauenchefin Spieß."Wer gehört werden will, muss auch etwas sagen." LR Dunst stellte fest, dass es seit langem wieder eine Frauenministerin gibt, "die für die Frauen nichts tut". (APA)