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Foto: APA/GUENTER R. ARTINGER
Eisenstadt - Die jungen Damen in der zweisprachigen Eisenstädter Beratungsstelle des "Interregionalen Gewerkschaftsrates" (IGR) kommen dieser Tage mit dem Beraten gar nicht mehr nach. "Neun von zehn Anfragen", erzählt Eszter Tóth in einer kurzen Beratungspause, "beziehen sich auf das Kindergeld und die Familienbeihilfe."

Seit dem 1. Mai gilt eine neue Regelung, die viele in Österreich beschäftigte, aber daheim lebende UngarInnen in einige Verwirrung gestürzt hat. Brieflich wurden diese GrenzgängerInnen davon verständigt, dass sie aus der ungarischen Familienbeihilfe herausfallen.

Diesbezüglich hätten sie sich in Zukunft an Österreich zu wenden, so wolle es die EU-weite "Pendlerrichtlinie". Diese sieht vor, dass diese familiäre Sozialleistung nach dem "Beschäftigungslandprinzip" geregelt wird, auch dann, wenn der Hauptwohnsitz in einem anderen EU-Land liegt. Arbeiten beide Elternteile in verschiedenen Ländern, richtet sich die Leistungszuständigkeit nach dem Wohnsitz des Kindes, allerdings sind hier "Kompensationszahlungen" vorgesehen, die Differenzen zu den niedrigen Beihilfen ausgleichen.

Für Österreich könnte sich das durchaus ordentlich in den Bilanzen niederschlagen. Zurzeit, sagt Georg Mayer, Sprecher des Sozialministeriums, beziehen 481 UngarInnen und 167 SlowenInnen österreichische Familienbeihilfe. Allein im Burgenland waren aber im Vorjahr mehr als 4000 ungarische BürgerInnen offiziell beschäftigt - darunter 1330 so genannte GrenzgängerInnen -, die nun um Kindergeld und Familienbeihilfe ansuchen werden.

Spießrutenlauf

Ihnen steht ein ziemlicher bürokratischer Spießrutenlauf bevor. Die Familienbeihilfe muss beim Finanzamt, das Kindergeld bei der zuständigen Krankenkasse beantragt werden. Ausgezahlt wird einmal jährlich im Nachhinein. Auch die Anträge müssen im Nachhinein gestellt werden, "das ist wie beim Lohnsteuerausgleich", erklärt Raimund Weber, Fachvorstand des Finanzamtes für Bruck an der Leitha, Eisenstadt und Oberwart.

Die dazu notwendigen Dokumente müssen in einer beglaubigten Übersetzung vorgelegt werden. Sprachbarrieren, sagt Weber, gebe es aber keine, "in allen unseren Infocentern gibt es kroatische und ungarische Dolmetscher". (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 29./30.5.2004)