Hamburg/Wien - Der folgenschwere Anschlag in der Ölstadt Al Khobar ist der jüngste in einer Serie von Terrorakten, die Saudiarabien in den vergangenen Monaten erschütterten. Ziel der Angriffe waren vor allem westliche Ausländer. Die gestiegene Zahl dieser Attacken deckt sich mit einem verstärkten Interesse der El Kaida an einer Front in Saudiarabien. Vor einem knappen halben Jahr begann der Statthalter von Terror-Chef Osama bin Laden, Abdulaziz al-Mukrin, damit, sich via Internet an junge, zum islamistischen Kampf bereite Saudiaraber zu richten, berichtet "Spiegel Online".

Alle zwei Wochen erscheint seitdem unter dem Namen "Ma'askar al-Battar" ein Online-Magazin, in dem alt gediente Qaida-Kämpfer und -Ideologen Aufsätze verfassen, die Terror rechtfertigen und den Gebrauch von Waffen erklären. Zu jeder Ausgabe steuert auch al-Mukrin selbst einen Text bei, der sich den "militärischen Wissenschaften" widmet.

Kurse

In den letzten Monaten widmete er sich den Themen "Der Krieg in den Städten", "Entführungen", "Gezielte Attentate" und "Zellenbildung". "An alle, die nach Sprengstoff gefragt haben: Sprengstoff herzustellen ist nicht so schwierig, wie es immer heißt", schrieb al-Mukrin vor zwei Wochen. "So Gott will", versprach er, werde man in dem Magazin bald auch einen Kurs zur Handhabung explosiver Materialien anbieten.

Deutlich lässt sich an al-Mukrins Beiträgen seine Strategie für den Dschihad in Saudiarabien ablesen: Es geht ihm darum, die Grenze zwischen dem sympathiesierenden Umfeld der El Kaida und der Stammorganisation selbst zu verwischen. So schrieb er in der letzten Nummer von "Ma'askar al-Battar": Es sei nicht nötig, vor Anschlägen um Erlaubnis zu fragen oder förmlich Mitglied zu werden. El Kaida beruhe auf einem System von Zellen, und "strebt nicht vornehmlich nach einer herkömmlichen, organisatorischen Einbindung." Der Dschihad in Saudiarabien sei vielmehr eine "allgemeine und ausnahmslose Pflicht" für alle Moslems. Außer Gottes Befehl brauche es nichts weiter; jeder, der den Dschihad begehre, solle einfach mit "seinen Brüdern" eine Zelle bilden.

Es sei gut möglich, so "Spiegel Online", dass einige der Anschläge, von denen Saudiarabien in den vergangenen Monaten heimgesucht wurde, bereits von solchen Zellen begangen wurden, die sich auf al-Mukrins Aufrufe hin selbständig gebildet haben, ohne in ihrem Leben je einen alt gedienten Kaida-Kämpfer getroffen oder in einem Kaida-Camp gelebt zu haben.

Abreißen wird die Anschlagsserie in überschaubarer Zeit wohl kaum. Darauf deute zumindest all das hin, was aus mit hoher Wahrscheinlichkeit authentischen El Kaida-Dokumenten zu erfahren sei, schreibt das Hamburger Wochenmagazin in seiner Online-Ausgabe. Außerdem sei die militante islamstische Opposition in dem fragilen Ölstaat mittlerweile von "beachtlicher Größe und Schlagkraft". In der letzten Zeit gebe es "viele Vorbereitungen", warnte al-Mukrin Mitte Mai. Das alles sei notwendig für "Die Ausweitung unseres Dschihad gegen die Feinde Gottes". (APA)