Peking - Nach neun Jahren Haft ist der chinesische Dissident Li Hai am Sonntag aus dem Gefängnis entlassen worden, wie seine Mutter mitteilte. Der heute 50-Jährige war 1996 wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Li hatte eine Liste mit Personen zusammengestellt, die im Zuge der Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens vor 15 Jahren verhaftet worden waren.

"Er kam heute Morgen zurück", sagte seine Mutter Gong Liwen in einem Telefoninterview. "Wir sind sehr glücklich aber es gibt noch keine Freiheit. Wenn wir das Haus verlassen, werden wir beobachtet." Während des Gesprächs wurde die Leitung offenbar von Regierungsbeamten mehrmals unterbrochen.

Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen wurden getötet, als Regierungstruppen am 4. Juni 1989 den Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum Pekings stürmten. Die Demonstranten hatten den Platz mehrere Wochen besetzt, um für eine Öffnung des politischen Systems zu kämpfen. (APA)