Washington - Trotz gegenteiliger Beteuerungen ist US-Vizepräsident Dick Cheney offenbar doch an der Erteilung eines Großauftrags für den US-Ölkonzern Halliburton in Irak beteiligt gewesen, dessen Chef er bis zur Übernahme seines Regierungsamtes vor vier Jahren war. Das enthüllt das Nachrichtenmagazin "Time" in seiner jüngsten Ausgabe unter Berufung auf ein Email aus dem Pentagon vom 5. März vergangenen Jahres.

Darin berichtet ein Vertreter des Ingenieurkorps der US-Armee, Pentagon-Staatssekretär Douglas Feith habe den milliardenschweren Auftrag zur Instandsetzung irakischer Ölfelder und Förderanlagen an den Konzern gebilligt, "vorbehaltlich der Zustimmung des Weißen Hauses". In dem Mail heißt es weiter, mit Problemen werde nicht gerechnet, "da die Aktion mit dem Büro des Vizepräsidenten abgestimmt ist".

Ohne Ausschreibung

Tatsächlich erhielt Halliburton laut "Time" drei Tage später und ohne vorherige öffentliche Ausschreibung den Zuschlag für den Großauftrag. Cheney war zwischen 1995 und 2000 Chef von Halliburton. Noch im vergangenen September hatte er gegenüber dem Sender NBC versichert, er habe keinerlei "Einfluss über oder Kenntnisse von Aufträgen der Regierung" für den Wiederaufbau Iraks.

Cheneys Sprecher Kevin Kellems versicherte erneut gegenüber "Time", der Vizepräsident habe seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 "keinerlei Rolle bei den Auftragsvergaben der Regierung" gespielt, die Halliburton beträfen. Laut dem Magazin war Feith von seinem Chef, Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz, mit der Koordinierung des Auftrags betraut worden. (APA)