Mit einer ungeheuren Marketing-Maschinerie wird heute, Donnerstag, das neue Betriebssystem von Microsoft namens Windows 2000 weltweit gleichzeitig präsentiert. Und obwohl nicht erwartet wird, dass ein ähnlicher Run auf das Produkt einsetzt wie bei Windows 95 - damals hatten sich ab Mitternacht Schlangen von kaufwütigen Usern vor den Computergeschäften gebildet - ist Windows 2000 doch ein Meilenstein in der Produktpolitik des größten Unternehmens der Welt. Dominanz Bekanntlich hat Microsoft eine Dominanz auf dem Sektor der Betriebssysteme, die der US-Kartellbehörde schon seit einiger Zeit missfällt. Und auch die EU-Kommission ist mittlerweile hellhörig geworden und will eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung einleiten. Neun von zehn Computer laufen mit einem Produkt aus der Seattler Softwareschmiede von Bill Gates, also den Betriebssystemen Windows 95 und 98. Private Power-User, Firmen und andere Großkunden An dem lukrativen, immer wichtiger werdenden Markt der Server, also der Rechner, die Daten und Programme für andere Computer, so genannte Clients, bereithalten, hält Microsoft nur ein kleines Stück. Mit Windows NT, das 1996 erstmals präsentiert wurde, versuchte der Konzern deshalb auch folgerichtig, in den Server-Markt einzubrechen und den Platzhirschen Sun, IBM oder Unisys das Wasser abzugraben. Mit dem Folgeprodukt Windows 2000 sollen nun alle angesprochen werden: private Power-User ebenso wie Firmen und andere Großkunden. Die erfolgreiche Alternative Trotzdem dürfte es nicht leicht sein, in den Server-Markt einzubrechen, geschweige denn, dort eine Vorherrschaft à la Desktop zu errichten. 40 Prozent aller Systeme sind Unix-Systeme; und der Erfolg von Linux, dem Betriebssystem, das gratis über das Internet heruntergeladen werden kann, ist auch in der Gegnerschaft zu Microsoft zu suchen. Die großen US-Marktbeobachter Gartner Group und IDC prognostizieren lediglich einen langsamen Verkaufsstart von Windows 2000. Erst im Jahr 2003 werde Microsoft mit Windows NT/2000 an die 30 Prozent vom Server-Markt halten. Und die Anwender, die bereits Windows NT installiert hatten, würden zumindest noch ein Jahr abwarten. Brot? Die Verkaufsstrategen rund um Microsoft-CEO Steve Ballmer sehen dies naturgemäß optimistischer. "Große Unternehmen und die dot.coms - die vielen, rasch wachsenden Internet-Firmen - benötigen die neue Technologie wie einen Bissen Brot", sagte Keith White, Director of Marketing zum Wall Street Journal. Noch nie sei ein Microsoft-Produkt vor Freigabe so sehr auf Herz und Nieren geprüft worden, wie die Millenniumsversion. 75.000 so genannte "early users", Stammkunden also, hätten an dem Programm bereits herumgebosselt. Auch der Privatanwender ist potenzieller Kunde des neuen Betriebssystems. Denn nicht nur kann man mit Windows 2000 - im Gegensatz zu NT - in die PC-Spielewelt eindringen. Für diesen Heimanwender gelten öfter ähnliche Gesetze wie für den professionellen User. Denn immer mehr Teleworker, die von zu Hause aus arbeiten, verlangten ein stabiles System. Es sei einfach das beste Windows, das es je gab, meinen die Microsoft-Manager euphorisch. Zwar doppelt so teuer wie zum Beispiel Windows 98, aber sein Geld wert. (Johanna Ruzicka)