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Wahlbeteiligung EU-Wahl 1999 nach Bundesländern.

Grafik: APA
Wien - Unter oder doch über 40 Prozent ist die Frage, die sich in der Prognose der Wahlbeteiligung bei der EU-Wahl am 13. Juni stellt. Einig sind die Meinungsforscher, dass die Beteiligung noch geringer wird als 1999, wo sie mit 49,40 Prozent schon österreichischer Negativ-Rekord war. Generelles Desinteresse an der EU samt Enttäuschung über die Auswirkungen des Beitritts, der Wahlkampf, Wahlmüdigkeit werden als Faktoren genannt - und auch der "Wettergott": Sollte das Wetter an dem Fenstertags-Wochenende schön sein, werden wohl viele den Wahllokalen fern bleiben.

Könnte die Grünen Stimmen kosten

Das würde sich vor allem im städtischen Bereich drastisch auswirken, meinte Wolfgang Bachmayer von OGM gegenüber der APA. Besonders die Grünen könnte das Stimmen kosten, denn ihre Klientel sei vorwiegend städtisch. Wegen der ungewissen Beteiligung sei auch die Abschätzung des Wahlausgangs "äußerst schwierig. Es sind durchaus Überraschungen möglich, je nachdem, wie gut die Parteien mobilisieren."

"Erschreckend niedrig"

Bachmayer erwartet, dass die Wahlbeteiligung "jedenfalls erschreckend niedrig, sicherlich niedrig als schon zuletzt" sein wird. Und sieht neben dem Ausflugswochenende weitere Gründe: "Die Leute sind wahlmüde, wir hatten erst vor vier Wochen eine Wahl. Europa interessiert sie wenig. Die EU-Skepsis nimmt stark zu - und die Spitzenkandidaten sind keine Aufreger, im positiven Sinn."

"EU-Klima besonders mies"

"Um die 40 bis 45 Prozent" schätzt Peter Ulram vom Fessl-Institut. Zu erwarten sei, dass ein Gutteil der EU-Gegner der Wahl fern bleibt - "und das EU-Klima ist besonders mies". Zudem würden vier Parteien einen Negativ-Wahlkampf führen - "die SPÖ gegen die Regierung, die Grünen und die FPÖ gegen alle, Martin gegen das EU-Parlament" -, und das motiviere nicht, zur Wahl zu gehen. Denn: "Die Österreicher gieren nicht danach, mit dem Stimmzettel einen Denkzettel auszuteilen. Die Haltung ist eher: Lasst mich in Ruh, ich will damit nichts zu tun haben."

Werbemaschinerie

"Ich strafe die EU mit Unaufmerksamkeit, ich gehe nicht hin", ist die Haltung der EU-Enttäuschten, die auch Werner Beutelmeyer vom market-Institut erwartet. Seiner Meinung nach wird bei der Beteiligung "eher kein Vierer vorne sein". Derzeit würden aber die Umfrage-Werte mit um die 40 Prozent schon höher liegen als vor drei Wochen, als market zuletzt abfragte. Es sei jedoch üblich, dass die Werte steigen, je näher der Wahltag rückt, weil die "Werbemaschinerie" stark laufe, die Medien mehr berichten - wobei die Beteiligung dann aber meist unter den Umfrage-Werten liege.

Große Verwirrtheit

Imma Palme von IFES würde sich "wundern, wenn 40 Prozent hingehen". In den Umfragen zur EU-Wahl zeige sich, dass das Interesse nicht so groß ist, eher Zurückhaltung herrscht - und es sei auch "eine relativ große Verwirrtheit darüber festzustellen, was da eigentlich gewählt wird".

Gallup: Über 40 Prozent

Optimistischer ist Fritz Karmasin von Gallup: "Zwischen 40 und 50 Prozent, ich glaube, dass es über 40 Prozent werden könnten." Der Grund für seine Zuversicht: "Die Diskussion im Wahlkampf wird ziemlich heftig geführt, hat Aufmerksamkeit." Wobei es natürlich die Frage sei, ob die Themen der Auseinandersetzungen - die Spesen der Abgeordneten oder zuletzt der Brief von Hannes Swoboda (S) - "die Leute wirklich so sehr interessieren". Aber jedenfalls gebe es eine intensive Berichterstattung und Wahlwerbung.

Gefälligkeitsantworten

Recht einig sind die Meinungsforscher, dass die Prognose schwer ist: "Die Leute sind sich selbst noch unsicher und geben Gefälligkeitsantworten", meint Palme. Außerdem seien die Wähler auch bei der Beteiligung mobiler geworden. "Eine Umfrage kann da überhaupt nichts sagen. Eine Umfrage kann einigermaßen eine Ergebnis-Richtung anzeigen, aber keine Wahlbeteiligung prognostizieren", ist Bachmayer überzeugt. Denn: Die Österreicher würden nur in geringem Maß zugeben, dass sie nicht zu einer Wahl gehen. Man wisse, dass die in einer Umfrage genannten Werte in der Regel höher liegen als sie de facto sind, betont Beutelmeyer. (APA)