Wien - Die 49,40 Prozent bei der EU-Wahl 1999 waren mit Abstand die geringste Wahlbeteiligung, die es bei Bundes- oder Landeswahlen der Zweiten Republik in Österreich jemals gab. Erstmals nahmen weniger als 50 Prozent der Berechtigten an der Wahl teil. Schon bei der ersten EU-Wahl in Österreich, 1996, lag die Beteiligung mit 67,73 Prozent unter den üblichen Werten. Für den 13. Juni rechnen die Meinungsforscher mit einem weiteren Rückgang.

Um 18,33 Prozentpunkte fiel die Wahlbeteiligung 1999 geringer aus als 1996. Mehr als eine Million - genau 1,039.805 - weniger Stimmen wurden abgegeben, mehr als ein Viertel weniger als 1996. Nur mehr 2,888.733 der insgesamt 5,847.660 wahlberechtigte Österreicher und EU-Bürger fanden 1999 den Weg ins Wahllokal. 1996 waren es immerhin noch 3,928.538 der 5,800.377 Wahlberechtigten.

Stärkster Einbruch in Wien

Den stärksten Einbruch verzeichnete 1999 Wien, wo die Wahlbeteiligung gegenüber 1996 um 26,78 Prozentpunkte geringer ausfiel. Wobei an diesem Juni-Wochenende wohl mehr Wiener Ausflüge aufs Land unternommen haben als bei der EU-Wahl 1996, die am 13. Oktober stattfand. Ebenfalls einen Rückgang um mehr als 20 Prozentpunkte verzeichneten noch Kärnten, Salzburg und Tirol - wobei Tirol als einziges Bundesland nicht einmal mehr 40 Prozent Wahlbeteiligung aufwies.

Burgenländer am eifrigsten

Die wahlfreudigsten waren die Burgenländer: Mit 66,81 Prozent lag die Wahlbeteiligung fast noch so hoch wie 1996 österreichweit. Und der Rückgang war mit 10,15 Prozentpunkten noch der geringste. Beinahe ebenso "brav" waren die Niederösterreicher: Immerhin 63,06 Prozent nahmen von ihnen 1999 an der EU-Wahl teil, womit die Wahlbeteiligung "nur" um 11,38 Prozentpunkte geringer ausfiel als 1996.

Die 50-Prozent-Marke nahmen noch die Oberösterreicher. Kärnten, Salzburg, Steiermark und Vorarlberg kamen wenigstens über 40 Prozent - während nur mehr 35,41 Prozent der Tiroler wählten.

Nationalratswahlen über 80 Prozent

Die bisher niedrigste Wahlbeteiligung bei Nationalratswahlen gab es 1999 mit 80,42 Prozent. Unter den Bundespräsidentenwahlen bildet der heurige Urnengang am 25. April mit 71,60 Prozent das Schlusslicht.

Die Wahlen zum EU-Parlament stoßen in fast allen EU-Ländern auf eher geringes Interesse. Österreich lag mit den 49,40 Prozent 1999 nur geringfügig unter dem Europa-Schnitt von 49,80 Prozent. Seit 1979 ist die Wahlbeteiligung in der Union konstant zurückgegangen. In Großbritannien gab vor fünf Jahren nur mehr jeder Vierte seine Stimme ab. Ausnahmen bilden nur Belgien und Luxemburg, wo bei Europawahlen Wahlpflicht besteht und im langjährigen Durchschnitt konstant rund 90 Prozent wählen. (APA)