Rom - Der italienische Arbeitsminister, Roberto Maroni, drängt auf eine rasche Verabschiedung eines Rettungsplans für Alitalia. Die noch staatliche Fluggesellschaft sei eine "soziale Zeitbombe", da massive Stellenstreichungen zur Sanierung der Airline notwendig seien. Je eher man die Situation in Angriff nehme, desto weniger Jobs müsse man kürzen. Maroni, Spitzenpolitiker der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord, kritisierte den neuen Alitalia-Chef, Giancarlo Cimoli, der erst in einigen Wochen die genaue Zahl der Stellenkürzungen bekannt geben will.

Indiskretionen zufolge habe Cimoli von Regierungschef Silvio Berlusconi den Auftrag erhalten, erst nach den EU-Wahlen im Juni den Inhalt des Alitalia-Rettungsplans im Detail vorzulegen. Massive Jobkürzungen würden sich negativ auf das Image der Regierung auswirken, deren Popularität ohnehin sinkend sei, spekulierten italienische Medien.

"Sinnlos"

Die Hinauszögerung bei der Vorstellung des Alitalia-Plans wurde von Maroni scharf kritisiert. "Es ist sinnlos, die Lage nicht sofort in Angriff zu nehmen. Die Situation ist äußerst kompliziert, auf dem Spiel stehen 21.000 Arbeitsplätze", warnte der Minister. Alitalia-Chef Cimoli erwiderte, dass das Management mindestens zwei Monate Zeit brauche, um einen umfangreichen und tragfähigen Sanierungsplan zu verabschieden.

Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Arbeitsminister und Cimoli waren bereits vergangene Woche aufgetreten. Nachdem die Gesellschaft vor zehn Tagen angekündigt hatte, der Staat werde einen Überbrückungskredit für die Airline sichern, sagte Maroni, dass die Regierung nie über einen solchen Kredit diskutiert habe. "Wenn jemand Spaß daran hat, derartige Nachrichten zu verbreiten, dann ist dieser Spaß völlig fehl am Platz", sagte Maroni. Nach einem Treffen mit dem neuen Alitalia-Chef Giancarlo Cimoli erklärte der Minister, die Situation sei zwar schlimm, aber doch nicht so gravierend, dass ein sofortiges Eingreifen des Staates nötig sei.

Direkte Zuschüsse aus der Staatskasse sind nach den EU-Regeln ohnehin ausgeschlossen, da die Fluggesellschaft bereits 1997 Beihilfen erhalten hatte. Die Rettung der Alitalia vor dem Aus war vor wenigen Wochen von Regierung, Gewerkschaften und Management ausgehandelt worden. Die Alitalia hatte im vergangenen Jahr Nettoverluste von 520 Mio. Euro verbucht.

Cimoli plant am Donnerstag ein Treffen mit den Gewerkschaften, um über die Umstrukturierung des Konzerns zu diskutieren. Ein Abkommen soll mit den Arbeitnehmerorganisationen zur Steigerung der Produktivität der Piloten unterzeichnet werden. Die neue "Nummer eins" der vom Konkurs bedrohten Fluggesellschaft will die Zahl der Manager halbieren. 40 der insgesamt 80 Managerstellen sollen dem Sanierungskurs zum Opfer fallen, berichteten italienische Medien. (APA)