Goldegg/Salzburg - Österreichs führende Energie-Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft warnen vor einem dramatischen Anstieg der Rohölpreise: Innerhalb des nächsten Jahres wird ein Anstieg auf 42 US-Doller je Barrel Rohöl (159 Liter) erwartet. Bis 2009 gehen die Experten von annähernd einer Verdopplung auf 60 Dollar aus, bis 2014 wird mit einem Anstieg auf rund 90 Dollar gerechnet, was beinahe einer Verdreifachung der derzeitigen Preise entsprechen würde. Das geht aus einer Aussendung anlässlich der in Salzburg stattfindenden Energiegespräche von heute, Montag, hervor.

Die Experten warnen zudem vor den Folgen für Wirtschaft und Energieversorgung, sollte es zu einem dritten Ölpreisschock kommen. Sie richten daher einen dringenden Appell an die verantwortlichen Energiepolitiker, den sich abzeichnenden Preisschock durch zeitgerechte Gegenmaßnahmen abzufangen. "Wenn die österreichische Politik nicht jetzt die entsprechenden Maßnahmen setzt, kann es zu schwerwiegenden Rückschlägen für die österreichische Wirtschaft kommen", betonte etwa Reinhard Haas von der Energy Economics Group an der TU Wien.

Erneuerbare Energiequellen

Als vorrangig erachten die Experten eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz und einen forcierten Ausbau der erneuerbaren Energiequellen. Vor diesem Hintergrund lehnen sie eine Einschränkung des Ökostromausbaus in Österreich entschieden ab. Ulfert Höhne, Vorstand der oekostrom AG: "Wir brauchen mehr solcher Erfolgsstorys, nicht weniger." Christian Holter, Geschäftsführer des Grazer Solar-Weltmarktführers SOLID: "Der Umbruch der Energiemärkte kann auch als Chance für die österreichische Exportwirtschaft gesehen werden."

Die Ölpreisprognose ist Ergebnis einer Delphi-Studie, die von 22 führenden österreichischen Energie-Experten im Rahmen der von 28. bis 31. Mai dauernden Energiegespräche erarbeitet und diskutiert wurde. Im Zuge einer Delphi-Studie wird ein mehrstufiger Meinungsbildungsprozess zu künftigen Entwicklungen unter Fachexperten durchgeführt. Zu den Energiegesprächen treffen sich alljährlich Energieexperten aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um aktuelle Fragen der Energiepolitik und künftige weltwirtschaftliche Entwicklungen zu erörtern. Die diesjährigen Energiegespräche fanden in Goldegg (Salzburg) statt. (APA)