Wien - Der "Rohbericht" des Rechnungshofs (RH) über das Kunsthistorische Museum, aus dem DER STANDARD in der Wochenendausgabe zitierte, sorgt für Empörung: Die von ihrer Partei angeregte RH-Prüfung sei ein "Volltreffer", sagte Eva Glawischnig, die Kultursprecherin der Grünen. Sie hatte vor zwei Jahren geglaubt, Ungereimtheiten in den Bilanzen des KHM feststellen zu können, und fühlt sich nun durch das Ergebnis bestätigt.

Dass "die geharnischte Kritik" Konsequenzen haben müsse, fordert auch SP-Kultursprecherin Christine Muttonen: Sie bezeichnete KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel als "schlichtweg untragbar". Sie frage sich, wie lange die für die Museen zuständige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) "an Seipel festhält und warum sie dies tut". Beide Politikerinnen verlangen die Veröffentlichung des RH-Berichts. Und Marie Ringler, Kultursprecherin der Wiener Grünen, fordert, dass er sofort allen Mitgliedern des KHM-Kuratoriums ausgehändigt werde: "Das Museum ist kein Selbstbedienungsladen!"

Der RH beschäftigte sich aber nicht nur mit Seipels Eigenmächtigkeiten und der Gehaltssteigerung von rund 90.000 auf 230.000 Euro zwischen 1998 und 2002, sondern kritisiert auch den zum Teil mangelhaften wirtschaftlichen Erfolg des 1999 ausgegliederten Unternehmens.

So gingen die Erlöse des Museumsshops stark zurück (eine Folge des Besucherrückgangs infolge der massiven Anhebung der Eintrittspreise). Zudem rät der RH, das schlecht gehende Geschäft in der Krugergasse zu schließen. Ob er der Empfehlung nachkommen werde, wisse er noch nicht, so Seipel. Konsequenzen habe er bereits gezogen: Er gab das Palais Harrach auf.

Der RH stellt weiters fest, dass die Eingliederung des Völkerkunde- und des Theatermuseums zum 1. Jänner 2001 trotz Synergieeffekten und Einsparungen in einzelnen Bereichen "insgesamt keine wesentlichen wirtschaftlichen Vorteile erkennen" ließ. Helga Dostal, Exdirektorin des Theatermuseums, hatte sich gegen die ihrer Meinung nach unfreundliche Übernahme gewehrt und Gutachten vorgelegt, nach denen ein Überleben in der Selbstständigkeit gewährleistet gewesen wäre. Seipel hält die Eingliederung dennoch für richtig (das KHM erhielt die Finanzhoheit) und liest aus der RH-Kritik Lob heraus: "Das Ziel waren nicht wirtschaftliche Einsparungen, sondern eben Synergieeffekte und Effizienz."

"Ziele unbestimmt"

Der RH stellt dennoch die Ausgliederung des KHM (und damit der Bundesmuseen insgesamt) infrage: "Die Ziele waren im Wesentlichen unbestimmt formuliert, sodass der RH und das Ministerium über die Erfüllung keine Aussagen treffen konnten." Seipel kontert, dass es nicht die Aufgabe des RH sei, Gesetze zu hinterfragen. Und zur Forderung nach zwei gleichberechtigten Geschäftsführern sagt er: "Wir sind nicht dagegen, aber es war eine politische Entscheidung von Ministerin Gehrer, für jedes Museum nur einen Geschäftsführer zu bestellen."

Am Museumsgesetz arbeitete aber Seipel mit, dessen Konsulententätigkeit gesondert bezahlt wurde, wie der RH zu den teilweise nicht genehmigten Nebenbeschäftigungen des Beamten (immer aber im Auftrag der Regierung) anmerkt. Darauf angesprochen sagt Seipel: "Ich erachte einen Geschäftsführer für sinnvoll. Ein zweiter würde mehr Geld kosten." Ihn ärgert auch die ungerechtfertigte RH-Kritik bezüglich der Ankäufe: "Seit der Ausgliederung haben wir jährlich doppelt so viele Objekte wie davor erworben. Das ist zwar nicht unbedingt wirtschaftlich, aber positiv und wichtig!" Am Donnerstag will Seipel die Vorwürfe in einer Pressekonferenz entkräften. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.6.2004)