Das kennt wohl jeder starke Raucher: einmal zusammenzurechnen, was man im Monat in Summe für das Pofeln so ausgibt. Bei ehrlicher Berechnung kommen da horrende Summen zusammen. Und dann kommt schon die nächste Preiserhöhung und die nächste Berechnung.

Aber schreckt das wirklich ab? Sicher nicht. Rauchen ist eine Sucht - seit 2001 als Krankheit anerkannt -, und also ist das Aufhören ein Entzug, zu dem man nicht mit Vernunft und guten Argumenten alleine motiviert werden kann. Daher stellt sich die Frage, ob die nun wieder einmal von der WHO geforderten höheren Preise für Rauchwaren nicht genau die Situation, vor der die WHO warnt, nur verschlimmert. In Ägypten etwa machten Tabakkosten ein Zehntel der Ausgaben armer Haushalte aus - aber sie rauchen weiter. Hat schon jemand aufgehört, weil er sich sagte: Das kann ich mir nicht mehr leisten? Eben.

Gleichermaßen stellt sich die Frage, ob Verbote wirklich zum Ziel führen. In Österreich werden wieder die Abschaffung der Raucherzimmer und ein strengeres Rauchverbot am Arbeitsplatz diskutiert. Aber am besten hat immer noch die heimliche Zigarette am Schulklo geschmeckt. Und dass rigorose Verbote auf Dauer auch nicht unbedingt zum Ziel führen, weiß man seit der Prohibition in den USA. Aus Irland wird jubelnd gemeldet, dass sich seit der Einführung des Rauchverbots in Lokalen 96 Prozent der Pubs daran halten. Ein Fortschritt für das Wohlbefinden der Nichtraucher im Lokal. Aber die Raucher hören deshalb nicht auf - sie rauchen halt vor der Tür weiter.

Was helfen kann, sind Aufklärung und Motivation. Denn die Wege zum allerletzten "Span" sind vielfältig. Manche können ihre eigene Schleimhusterei am Morgen nicht mehr hören. Anderen hilft Schocktherapie - ein Bild von einer schwarzen Raucherlunge etwa. Wieder andere geben sich an einem Tag so viele Beuschelreißer, bis es ihnen endgültig graust. Unterstützung könnten Angebote bieten - wie Gratis-Akupunktur für jene, die das Aufhören schaffen. Wenn sie rückfällig werden, müssen sie die Therapie nachträglich zahlen. Viele Neo-Nichtraucher genießen etwa den neuen Genuss am Körpergefühl. Warum nicht gratis Sportangebote für jene, die erfolgreich aufhören? Das könnte man ja über eine höhere Tabaksteuer finanzieren. (Roman David-Freihsl, Der Standard, Printausgabe, 01.06.2004)