Medemblik/Wien - "Es schaut", sagt Roman Hagara und nickt, wie um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen, "ganz gut aus." Und das soll schon etwas heißen, denn der Olympiasieger im Tornado-Segeln pflegt ansonsten selbst nach starken Vorstellungen den Kopf zu schütteln und "ich weiß nicht, ich weiß nicht" zu sagen. Doch vor Medemblik, bei der SPA-Regatta im niederländischen Ijssel-Meer, hatten sich Hagara und sein Steuermann Hans Peter Steinacher selbst am Sonntag als Sieger überrascht.

Bei der EM vor Gran Canaria und der WM vor Mallorca waren Hagara/Steinacher mit den Rängen vier und neun leer ausgegangen, nun meldeten sie sich gerade rechtzeitig im Countdown für die Olympischen Spiele (ab 13. August, Athen) zurück. Wobei sie erstmals wieder jenes, wenn auch adaptierte Boot auspackten, mit dem sie in Sydney überlegen Olympia-Gold gewonnen hatten. Vor drei Jahren wurde dann das Tornado-Reglement grundlegend geändert, seit damals hängt neben dem Vorschoter auch der Steuermann im Trapez, als zusätzliches Segel wird ein Gennaker gesetzt. "Alle haben bei null beginnen müssen", sagt Hagara, und er fügt hinzu, dass das "genau die Herausforderung war, die wir gebraucht haben".

Seit damals spielt es sich ordentlich ab auf dem Materialsektor. So haben die USA, England und die Niederlande eine Phalanx gebildet, sich für 80.000 US-Dollar die Rechte auf Segel des US-Tuchherstellers Cuben gesichert sowie eine eigene Schwert-, Ruder-und Mast-Produktion aufgezogen. Hagara und Steinacher, die wiederum mit Argentiniern (Lange/Espinola) im Bunde sind, hissen Segel des Kärntners Robert Jessenig, der 1972 und '74 selbst Tornado-Weltmeister war. Auch Neopren (Camaro, Mondsee) und Taue (FSE, Wels) werden in Österreich hergestellt, diesbezüglich kann sich das Binnenland schon sehen lassen.

Im Ijssel-Meer herrschten oft widrige Bedingungen mit drehendem, mittelstarkem Wind. Ähnliches ist im August vor Athen zu erwarten. Hagaras und Steinachers Ziel ist es, "noch eine Medaille für Österreich zu holen". Und sie sagen, dass sie den Titel "nicht verteidigen brauchen. Denn die Goldene kann uns keiner mehr wegnehmen." (Fritz Neumann, STANDARD PRINTAUSGABE 1.6. 2004)