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Newton-Bar in Berlin

Foto: APA/EPA/dpa/Stephanie Pilick
Newton, Marlene und Berlin: Beisetzung und Ausstellungseröffnung und Festakt am Mittwoch

Berlin - In der Woche nach Pfingsten ehrt Berlin noch einmal Helmut Newton in seiner Vaterstadt. Der im Jänner bei einem Autounfall in Hollywood im Alter von 83 Jahren gestorbene Starfotograf findet an diesem Mittwoch seine letzte Ruhe in der Nähe der Filmdiva Marlene Dietrich auf dem idyllischen Friedhof in der Friedenauer Stubenrauchstraße. Anschließend verneigt sich das offizielle Berlin in einem Festakt im Roten Rathaus vor dem bedeutenden Fotokünstler und seiner Geste, seine weltberühmte Fotosammlung noch zu Lebzeiten an seine Vaterstadt als unbefristete Dauerleihgabe übergeben zu haben.

Newton konnte 2003 in Berlin seine Bewegung nicht verbergen, "wieder zu Hause zu sein"

Zwei Tage später wird diese Sammlung im eigens dafür eingerichteten "Museum für Fotografie" am Bahnhof Zoo eröffnet, das damit zu einem weiteren Glanzpunkt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird. Bei der Unterzeichnung des Leihvertrages im Oktober vergangenen Jahres hatte Newton in Berlin seine Bewegung nicht verbergen können, "wieder zu Hause zu sein" in der Stadt, aus der er mit seiner Familie vor den Nazis fliehen musste. Aus dem abfahrenden Zug am Bahnhof Zoo hatte er am 5. Dezember 1938 als Letztes das Landwehrkasino gesehen, in das jetzt seine Fotosammlung einkehrt.

"Ich bin stolz und glücklich, dass meine Fotos in meine Heimatstadt kommen"

"Ich bin stolz und glücklich, dass meine Fotos in meine Heimatstadt kommen, nicht nur die Nackten, auch alle anderen", sagte Newton. Es sei seine Frau June (Alice Springs) gewesen, "die mich schon lange in Richtung Berlin geschubst hat, obwohl die Arme kein Wort Deutsch spricht". Newton hat Deutschland nach eigenen Worten nie vermisst, aber Heimweh nach Berlin plagte ihn immer.

Und was wird mit den Negativen, lautete eine Frage der Journalisten damals. "Solange wir beide leben, bleiben die Negative bei uns, wir brauchen sie zum Arbeiten. Wenn wir abgekratzt sind, geht alles nach Berlin."

Grundstein für national bedeutendes Zentrum für Fotografie

Mit der Newton-Sammlung soll in Berlin der Grundstein für ein national bedeutendes Zentrum für Fotografie gelegt werden, betonte Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos), die auch Vorsitzende des Stiftungsrates der Preußen-Stiftung ist. Der Vertrag sieht die unbefristete Dauerleihgabe für über 1000 Werke Newtons und Alice Springs vor. Newton trug auch die Kosten für den Kurator der Sammlung und den Umbau des Gebäudes inmitten von Berlins berüchtigter Drogen- und Stricher-Szene ("Wir Kinder vom Bahnhof Zoo").

Zusammen mit der Newton-Sammlung will die Preußen-Stiftung auch ihre eigenen umfangreichen Fotosammlungen und -aktivitäten zusammenführen. Der Schwerpunkt der bestehenden Sammlungen in Berlin liegt im Bereich der Fotografie in Preußen von 1870 bis 1910, der Kunstfotografie im deutschsprachigen Raum um 1900 und in der Modefotografie.

An seinen Fotografien scheiden sich die Geister

An Newtons Fotografien scheiden sich die Geister: Was für die einen hohe Kunst ist, sehen andere als puren Kult des Sexismus auf Hochglanzfolie. Für Frauenrechtlerin Alice Schwarzer sind seine Aktfotos "sexistisch". Karl Lagerfeld meinte dagegen, Newton habe die Modefotografie zum "erotischen Erlebnis" gemacht. Seine eigenwilligen und oft großformatigen erotischen Frauenfotografien ("Big Nudes") haben ihm Weltruhm beschert und werden von Museen in aller Welt gezeigt. Jetzt hat der Kern der Sammlung seine Heimstatt in Berlin gefunden und die Newton-Fans können ihn am Mittwoch nach Beisetzung und Festakt gebührend in der "Newton-Bar" am Gendarmenmarkt feiern, was Newton ganz bestimmt gefallen hätte - er war oft und gerne in "seiner Bar". (APA/dpa)