Im wesentlichen lassen sich feministische Zugänge zu Prostitution in zwei Stränge einteilen: Jenem, der Prostitution als pathologischen Auswuchs des Patriarchats betrachtet und deshalb ihre Abschaffung fordert, und dem anderen, der aus einem feministischen Engagement heraus oder als Betroffene die Arbeits- und Lebensbedingungen von SexarbeiterInnen verbessern will.

Klarerweise theoriegeleiteter stellt sich die erste Variante an, da es Prostitution in dieser oder anderer Form in fast allen Gesellschaften der Erde gibt. Wesentlich ist der Fokus auf den gewalttätigen und zwanghaften Aspekt von Sex gegen Geld. Frauen, die in der Prostitution arbeiten, werden als Opfer einer frauenfeindlichen Umgebung gesehen, das der jeweils Betroffenen keine andere Wahl lässt, als sich ihren Lebensunterhalt mit Prostitution zu verdienen. Vorschub leistet dieser Argumentation die zunehmende Ausbreitung und Thematisierung von Frauenhandel in die westlichen Industrienationen, wenngleich diese nicht ausschließlich in die Prostitution führt.

Demgegenüber formierte sich seit den frühen 80er-Jahren das "Sex Workers Rights Movement", das im Gegensatz zu den Gegnerinnen auch aus aktiven "Huren" besteht. Im Zentrum steht hier der Kampf um die Anerkennung von Sexarbeit als normales Gewerbe mit gleichwertigen Rechten und Pflichten. Einhergehend mit dieser Anerkennung würden Arbeitsbedingungen und Status von Sexarbeiterinnen verbessert werden, argumentieren die Befürworterinnen.

Auch in Deutschland gibt es seit 1980 eine autonome Hurenorganisation, genannt "Hydra", die für die Anerkennung von Sexarbeit als Job wie jeder andere kämpft.

Den Prostitutionsgegnerinnen wird von dieser Seite vorgeworfen, Sexarbeiterinnen per se als Opfer darzustellen, wie generell in einer konservativen, bürgerlichen Logik von der Untrennbarkeit von Liebe und Sexualität zu verharren. Das "Unmenschliche" in der Prostitution sei nicht grundsätzlich, wenn sich Frauen bewusst zu dieser Tätigkeit entscheiden. Wesentlich sei aber der gesellschaftliche Rückhalt in Form von Integration und Gesetzen. (red)